Letztes Jahr um die Zeit begannen wir Covid-19 ernster zu nehmen. Das Ausmaß wurde langsam realistischer eingeschätzt und auch die letzten (ich gehöre dazu) merkten, dass es nicht „in ein bis zwei Wochen“ wieder vorbei ist. Der erste Lockdown drängte uns in unsere vier Wände und „We’re all in this together“-Botschaften verbreiteten sich auf dem ganzen Globus. Auch wenn wir alle irgendwie durch diese Pandemie kommen müssen, so sind wir trotzdem nicht gleich davon betroffen. Während manche Personen die Vorzüge des mobilen Arbeitens nutzen konnten, mussten andere weiterhin auf Arbeit gehen und waren dem Virus ausgesetzt. Sei es in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder direkt am Arbeitsplatz. An dieser Situation hat sich bis jetzt nichts geändert. Die Pandemie zeigte uns demnach noch mal auf, wo der Fokus liegt.

Mit Beginn der Woche traten Lockerungen in Kraft – wieder nicht überall gleich, aber in den meisten Bundesländern. Der Handel darf bei einer Inzidenz unter 100 Termine zum Einkaufen vergeben, bei unter 50 sogar ohne Termine und mit begrenzter Personenanzahl. Auch Kultur und körpernahe Dienstleistungen dürfen unter bestimmtem Richtlinien stattfinden. Eine Neuerung hier ist, dass getestet werden muss, wenn die Maske nicht durchgehend getragen werden kann. Die Corona-Lage ist allerdings weiterhin angespannt! Auch wenn wir dazu gelernt haben und alle Bürger:innen sich theoretisch einmal pro Woche kostenlos testen lassen dürfen, bleibt das Risiko, dem sich die Arbeitnehmer:innen aussetzen. 

Was genau ist die Problematik?
Zunächst reduziert ein Test die Woche die Ansteckungsgefahr nur minimal. Wenn ich jeden Tag einkaufen gehe oder beispielsweise ein Kosmetikstudio besuche, dann bringt der Negativ-Test von vor fünf Tagen auch nicht mehr so viel. Möchte man mehrer Tests machen, muss man bezahlen – und das ist für viele finanziell nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass der Start der Schnelltests auch eher holprig verlief, da viele Verantwortliche schlichtweg überfordert mit der schnellen Bekanntgabe waren. 

Ich weiß, dass viele Menschen auch sehr dankbar dafür sind, dass sie wieder auf Arbeit gehen dürfen. Zu Beginn der Pandemie arbeitete ich im Einzelhandel und erinnere mich noch sehr gut daran, wie erleichtert ich war, wieder im Laden stehen zu dürfen. Das lag aber daran, dass ich Geld verdienen wollte. Die Ausgaben wie Miete und Lebensmittel bleiben. Vor allem Personen, welche einer Lohnarbeit nachgehen, sind davon betroffen. Denn wer keine Stunden leistet, wird nicht bezahlt. Das führt nicht selten dazu, dass Arbeiter:innen trotz coronatypischer Symptome auf Arbeit gehen, da sie schlichtweg auf das Geld angewiesen sind. 

Hinzu kommt: In manchen Arbeitsstätten herrschen extrem prekäre Bedingungen. Viele Menschen auf engem Raum für mehrere Stunden in Kombination mich schlechter Belüftung. Während sich im Privaten gerade mal zwei Haushalte mit maximal fünf Personen treffen dürfen, spielt das auf Arbeit absolut keine Rolle mehr. Das Nachvollziehen, weshalb die Inzidenzen zu hoch für private Treffen sind, aber nicht zum Arbeiten mit erhöhtem Infektionsrisiko, fällt schwer. Kein Wunder, dass sich Arbeitnehmer:innen solcher Betriebsstätten eher infizieren als Spitzenverdiener im Home Office. Tönnies und Amazon sind hierbei nur einige, bekannte Beispiele.

Wie könnten die Probleme behoben werden?
Mögliche Lösungsansätze wären zum Beispiel eine faire Bezahlung und allgemein bessere Arbeitsbedingungen. Wenn die Löhne erhöht werden, würden arbeitsunfähige Arbeitnehmer:innen auch eine höhere Entgeltfortzahlung erhalten. Dadurch könnte man bei Krankheit oder Krankheitssymptomen zu Hause bleiben und müsste nicht abwägen, ob man nicht doch lieber des Geldes wegen auf Arbeit geht. Schlussendlich sollten tägliche Tests gewährleistet werden, wenn von einem hohen Infektionsrisiko auszugehen ist. Denn Arbeiter:innen sollten nicht ihre eigene Gesundheit auf’s Spiel setzen, um ihr Leben finanzieren zu können.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE / Illustration: @osay

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