Von außen ist es ein Restaurant wie jedes andere, doch als ich hereinkomme, wirkt alles sehr verstaubt, und das Büffet ist mit allen möglichen nicht asiatischen Speisen ausgestattet. Wir gehen in den mittleren Bereich des Lokals und setzen uns an einen freien Tisch. Die Auswahl fällt uns nicht schwer, da wir die Einzigen im Lokal sind, abgesehen vom Personal. Mein Freund bestellt sich eine Cola. Dann will er wissen, was ich trinke. «Ein Wasser», gebe ich widerwillig von mir. «Möchten sie eine Speisekarte haben, oder essen sie vom Buffet?», fragt uns der Kellner. Wir entscheiden uns für das Büffet – das keinen einladenden Eindruck auf uns macht.

Kurz darauf kommt die Bedienung zurück, macht die Flaschen auf, holt zwei Gläser, befüllt jedes zu zwei Dritteln mit unseren bestellten Softdrinks und geht wieder weg. Ist mir recht, denn ich brauche einen Moment, um die Situation auf mich wirken zu lassen. Es ist ein sommerlicher Samstag, und ich freue mich seit sechs verdammten Tagen auf dieses Essen. Ich war 18. Damals hatte mich mit starken Gewichtszunahmen zu kämpfen, die deutlich anstiegen, als ich mit 16 Jahren mit meinem damaligen Freund den sogenannten “Netflix & Fress”-Vibes verfiel. Eine Weile lebte ich so vor mich hin. Eines Tages musste ich unerfreulicherweise feststellen, dass mir keine meiner Hosen mehr passte. Streng nach dem Motto: Sport ist Mord, versuchte ich es mit verschiedensten Diäten. Ohne Erfolg.

Nicht nur meine Freundinnen ließen mich nicht vergessen, dass es mal eine andere Sofia gab. Mein Kleiderschrank erinnerte mich jeden Morgen daran. Das Ding war vollgestopft bis zum Gehtnichtmehr und schwang hin und her wie mein langes Haar, wenn ich mich fortbewege. Und bei jedem Öffnen tröpfelte ein bisschen von meinem Selbstwert auf den Boden, da mir nur noch ein Buchteil davon passte. Eines Tages entwickelte ich mithilfe einiger Recherchen aus dem Internet ein für mich funktionierendes Abnehmkonzept. Dafür verzichtete ich auf jegliche Nahrungszufuhr nach 18 Uhr. Tagsüber nahm ich drei gesunde Mahlzeiten zu mir. Wer schon mal eine Diät angefangen hat, kann sich sicherlich vorstellen, wie mühsam so etwas ist. Zur Belohnung gönnte ich mir einmal die Woche einen Cheatday. Das bedeutet, dass ich alle leckeren Köstlichkeiten, auf die ich die Woche über verteilt so schmerzhaft verzichten musste, mit einem mal in mich reinstopfen konnte.

Das ist auch der Grund, warum mich das chinesische Restaurant zum Weinen brachte. Ich meine, ihr wisst ja, wenn man sich auf etwas freut und am Ende enttäuscht wird, ist der Frust oft schwer zu verbergen. Na, ich sitze also da, und schaue auf das abartige All-You-Can-Eat-Buffet, wo die frittierten Pommes neben der gebratenen Ente, neben lieblos zubereiteter Currywurst vor sich hinvegetieren. Am Ende ist man einfach irgendwie am Boden zerstört und hockt da und wartet, als würde man an der Bushaltestelle auf der Bank sitzen und auf den Bus warten, der einfach nicht kommt. Und dann kommt dieser Kellner an, mit seinem nichtsaussagenden Blick, wartend darauf, dass seine Schicht zu Ende geht. Ich schaue meinen Freund an. Er schaut mich an. Meine Lippen beginnen zu zittern. Dann kullern die Tränen. Mein Freund sieht mich fassungslos an.

Ich ignoriere es, obwohl ich ihm schon so einige peinliche Szenarien geliefert hatte und eigentlich an der Reihe gewesen wäre, mich zusammenzureißen. Er schaut mich genervt an, als er sagte «Willst du woanders hingehen?». Ich nicke erleichtert. Er flucht, als er den Kellner an unseren Tisch winkt und ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht. «Ich bezahle die Getränke und die zwei Teller, wir haben uns doch gegen das Büffet entschieden», erklärt er ihm. Die Bedienung schaut uns verwirrt an, nimmt die vollen Schalen mit und macht die Rechnung fertig. Wir müssen den vollen Preis bezahlen. Knapp 30 Euro sind uns durch die Lappen gegangen. «Hast du Lust auf Pizza?», fragt er mich grinsend und wir fahren zu unserer Lieblingspizzeria.

 

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