Leerer Raum. Ich sitze in einem leeren Raum; gefüllt mit zwei Regalen, einem Tisch und einer Matratze. Ich starre an die gegenüberliegende Wand, deren Farbe sich von einem ehemalig reinen Weiß mit der Zeit in eine eher weniger ansprechende Eierschalenfarbe gewandelt hat und deren Verfall parallel mit meinem einhergeht.

Das Fenster zu meiner Rechten, das direkt zur Straße führt, ist angelehnt und ich verabscheue den Lärm der zu sauberen SUV ́s und den der – für ihre Eigentümer viel zu großen – Motorräder; aber das Fenster, das bleibt offen. Es ist eigentlich ein sehr schönes und dazu reinliches Zimmer, lässt man die hier und da verteilten Bierflaschen außer Acht, die als stille Beobachter die Szenerien, die sich hier täglich abspielen, betrachten. Was für einen jämmerlichen Anblick sie doch bekommen: jeden Tag dasselbe und dazwischen Fetzen von Gitarrensolos und Erzählungen, was heute so passiert ist, manche würden es „Retro” nennen – jetzt schon das Unwort des Jahrzehnts. Sie tun mir leid, diese Flaschen, die haben sich das ja auch nicht ausgesucht und könnten mit nur etwas Glück einen sehr viel spannenderen Einblick in das Leben von sehr viel spannenderen Menschen bekommen.

Hier kriegen sie ja nicht einmal den Anblick vom wöchentlichen 5-minütigen Trauerspiel, was einige Paare liebevoll „Liebe machen” nennen, auch wenn das alles andere als liebevoll geschieht, ja, es scheint fast wie eine Tortur für einige, ein mühsamer Dienst, den sie sich gegenseitig erweisen müssen, ohne das Wissen, dass keine der Seiten auch nur einen Funken echten Genuss daran findet. Was für ein Drama mit nicht einmal zwei Akten. Und ich würde so gern in mein Kissen schreien, aber das wäre zu laut für meine Mitbewohner. Schon das aggressive Tastengeklapper hört sich in meinem Kopf an, wie ein Kugelhagel, der jegliche Bewohner des Hauses wachhalten muss, anders kann ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Alternativ würde ich auch gerne noch ein Glas Wein genießen. Oder fünf. Und dann schlafen, einfach schlafen, vielleicht träumen, aber vorerst nicht aufwachen, ja, das wäre doch etwas. Nicht sterben, um Himmels Willen, ich habe ja noch so viel vor mir, aber erst einmal genüsslich auf den großen PAUSE Button drücken und alles andere im Schnelldurchlauf vorspulen und dann aufwachen, wenns interessant wird, wobei das auch noch dauern kann.

In der Ferne höre ich ein Auto sehr imposant mit den Reifen quietschen, das hört sich gar nicht gesund an und ich würde da jetzt gerne liegen, unter diesem protzigen Porsche, das hätte wenigstens Stil.

Autorin: Charlotte Moser 

 

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