Manchmal bin ich schlecht vorbereitet. Okay das war gelogen, ich bin es eigentlich so gut wie immer. Das ist besonders dann ungünstig, wenn meine Tage auf einen Besuch hereinschauen. Einen Menstruationskalender hatte ich schon mal. Der lag dann aber meistens an Orten, wie zum Beispiel unter meinem Bett. Oder inmitten von Zeitschriften, die ich ja doch nie lese. Immer mal wieder kommt es also vor, dass meine Periode kommt, und ich total überrascht darüber bin – weil ich absolut keine Ahnung von meinem Zyklus habe. Naja, man kann ja ungefähr abschätzen, wann man besser mal einen Tampon dabei haben sollte. Ab und zu merke ich es auch an meiner Laune – wobei mir Fragen wie “Hast du deine Tage oder warum bist du so genervt?” echt auf den Sack gehen. Und spätestens dann, wenn das Höschen rot ist, weiß dann auch ich Bescheid, wie scheiße mein Selbstmanagement mal wieder ist.

Als Kind bekam ich meine Periode immer dann, wenn ich keine Lust auf Sportunterricht hatte – ein paar Jahre später war sie eine super Ausrede, um nicht mit meinem Partner schlafen zu müssen. Wenn ich meine Tage bekomme, habe ich so grässliche Bauchschmerzen, dass ich nicht aus meinem Bett komme. Ich bin dann müde, manchmal ist mir schlecht und dann ist da noch dieses ganze Blut. Um mit der Situation klar zu kommen, hilft eigentlich nur eins: Schokolade. Ich nasche dann ziemlich gern und ziemlich viel. Als junges Mädchen konnte ich mir kaum vorstellen, mit anderen Menschen offen über meine Blutungen zu sprechen. Dabei ist die Monatsblutung ein ebenso normaler, wie auch wichtiger Prozess, der uns Frauen auch zeigt, wie es um unsere Gesundheit steht.

Obwohl die Periode zu den normalsten Dingen zählt, ist sie in unserer Gesellschaft häufig ein Tabuthema. Warum das so ist, check ich nicht. Außerdem kenne ich mindestens genauso viele Männer, die mit Frauen schlafen, wie Frauen, die mit Männern schlafen, während sie ihre Tage haben. Heutzutage setzen sich Aktivistinnen, Künstlerinnen und Expertinnen dafür ein, dass Menstruationsblut als das angesehen wird, was es ist: etwas ganz Natürliches. Ich habe mit ein paar Menschen über ihre Erfahrungen geredet, die wahrscheinlich jeder von uns kennt. Ob Frau oder Mann. Und obwohl man sich ja doch manchmal ziemlich alleine mit dem Thema fühlt, konnte ich besonders eine Sache daraus erkennen: Ich bin nicht die einzige, die schon mal fremde Betten rot gefärbt hat.

Lorena (22)
Ich war mal bei einer Vulva-Ausstellung und da gab es eine feministische Diskussionsrunde. Irgendwann ging es dann auch mal um die Periode. Eine Frau aus der Runde erzählte uns, dass sie früher, immer dann, wenn sie ihre Tage bekam und in dieser Zeit einen Partner hatte, dem Mann eine Kriegsbemalung aus ihrem Periodenblut malte. Sie meinte, weil das Blut sehr viele gute Stoffe in sich hat, die man damit in Kraft setzt oder so. War ein bisschen weird aber auch sehr interessant irgendwie.

Chris (34)
Ich bin nicht wirklich schüchtern, also kann ich auch über die Periode sprechen. Und irgendwie ist es ja auch was ganz Normales. Frauen bekommen nun mal ihre Tage und fertig. Da muss man ja nicht drum herumreden. Die Erfahrungen, die jeder damit macht, sind trotzdem unterschiedlich. Es gehört auch nicht zur Regel, dass jede Frau darauf steht, während ihrer Periode mit ihrem Partner den Akt der Liebe durchzuführen. Die einen mal mehr, die anderen weniger. Unter Männern heißt es ja: Jeder Pirat sticht mal ins Rote Meer. Wovon ich mich nicht freisprechen kann. Ob ich es wirklich mag, wage ich zu bezweifeln. Denn wer hat denn schon gerne Menstruationsblut an seinem … nach dem Sex? Also ich nicht. Aber die Geilheit hat mich in dem Moment nicht daran denken lassen. Im Endeffekt ist es ja auch nur Sex wie sonst auch. Und das, mit der Ausnahme, einer Frau, die darauf stand, während der Periode Sex zu haben. Ich glaube, diesen Fetisch gibt es durchaus bei Männern. So viel dazu. Frauen sind, was das Thema Periode angeht, so unterschiedlich wie m&m’s in ihren Farben. Sie alle haben dasselbe Problem, aber jede geht anders damit um. Da gibt es Frauen, die ununterbrochen heulen. Andere sind sehr verletzlich in dieser Zeit. Oder sie sind noch anschmiegsamer, obwohl sie ja wissen, dass sie eigentlich keinen Verkehr haben wollen. Und dann gibt es noch die, die souverän damit umgehen und „so tun“, als ob nichts wäre. Aber irgendwie merkt man es ja doch.

Hannah (25)
Die Geschichte ist schon ein paar Jahre her. Damals schlief ich bei einem Typen, der schon etwas älter war. Als ich morgens aufwachte, machte er uns gerade Frühstück. Ich blieb weiter liegen und als ich an mir runter schaute, sah ich, dass ich in der Nacht meine Tage bekommen hatte. Das ganze Bett war voll geblutet. Das war mir so abartig peinlich, dass ich das einfach für mich behielt und nichts zu ihm sagte. Heimlich legte ich ein paar Decken darüber, zog mich an und machte mich auf den Heimweg. Für ihn muss das so eine böse Überraschung gewesen sein, als er meine Blutpfütze entdeckt hatte, ohne dass ich etwas zu ihm gesagt habe. Mega peinlich. Heute würde ich das so nicht mehr machen.

Anonym
Seit einigen Jahren verwende ich eine Menstruationstasse. Und das Ding ist, dass diese vor dem Wiedereinsetzen gewaschen werden soll. Nun war ich in einem Einkaufszentrum und bin dort auf die Toilette gegangen, um sie zu wechseln, da sie übergelaufen war. Ich hatte damals noch nicht die Erfahrung mit den Cups und mir ist das ganze Blut, wie auch immer, über die Hände gelaufen. Und wie schon gesagt, musste ich die Kappe ausspülen, bevor ich sie wieder einschiebe. Ich konnte ja schlecht mit meinen blutigen Händen und dem Cup rausgehen, um sie auszuwaschen. Es war mir so unangenehm. Die anderen Frauen – damals war ich vielleicht zwölf Jahre alt – haben mich ziemlich komisch angeschaut und tuschelten, bevor ich rauskam, um beides zu waschen. Das war wirklich peinlich. Sie taten auch so, als ob die Periode das ekeligste wäre, was es gibt. Was mir ein schlechtes Bild vermittelte, so, dass ich mich selbst als “unrein” betrachtete, sobald ich meine Tage hatte. Früher hatte ich meine Periode für zwölf bis vierzehn Tage. Seitdem ich die Menocups benutze und masturbiere nur noch vier Tage. Super oder? 😉

Nadine (20)
Ich war unterwegs mit zwei Freunden, die ich von der Arbeit kannte. Mit einem der beiden hatte ich was am Laufen, also war es klar, dass ich danach noch mit zu ihm gehe. Der andere Freund kam nicht mehr nach Hause, also schlief der bei ihm auf der Couch. Als ich an diesem Abend mit “Otto” schlief, meinte dieser auf einmal „Ey ich glaub, du blutest“. Da ich des Öfteren Schmerzen beim Sex habe und es sich in dem Moment einfach zu gut anfühlte, meinte ich nur „Quatsch das kann gar nicht sein und wenn dann ist gerade einfach irgendwas gerissen, das passt schon“ – wir hatten bereits über das Thema „Sex während der Periode“ geredet und für ihn geht das gar nicht klar. Mein letzter Satz beruhigte ihn auf jeden Fall, also machten wir wie gewohnt weiter als wäre nichts gewesen und schliefen danach ein. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber der Körper gibt einem irgendwann einfach Bescheid, wenn etwas nicht stimmt. Also wachte ich irgendwann in der Nacht auf und schlich mich nackt aufs Klo. Und Überraschung: Ich hatte tatsächlich meine Tage bekommen – ich bekomme meine Tage sehr sehr unregelmäßig: Heißt, ich kann mich wirklich nie nach einer bestimmten Zeit richten, was ziemlich ätzend ist. So, na toll da saß ich jetzt auf seinem Klo und fluchte innerlich. Was ist, wenn ich in seinem Bett ausgelaufen bin etc. Da fiel mir ein, dass ich in meiner Tasche noch eine Binde haben müsste. Also schlich ich zurück in sein Zimmer und suchte fieberhaft im Dunkeln nach meiner Unterhose, meiner Tasche und der Binde. Als ich alles gefunden hatte, tapste ich so leise wie möglich zurück ins Bad. Dort angekommen saß ich also wieder auf dem Klo und meine Gedanken kreisten immer noch um das mögliche „Blut im Bett“- Szenario, bis mein Blick bei einem roten Fleck auf dem weißen Badezimmerboden hängen blieb. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich dieser als blutiger Versenabdruck. Ich viel in diesem Moment komplett vom Glauben ab. Langsam drehte ich meinen Fuß. Tatsache, mein Fuß war voller Blut! Ich dachte mir nur „fuck wie konnte das denn passieren“ und dann erinnerte ich mich. Als ich im Dunklen in meiner Tasche verzweifelt nach der Binde wühlte, saß ich über einen längeren Zeitraum in der Hocke. Nackt in der Hocke zu sitzen, während man seine Tage hat ist eine ganz ganz schlecht Idee! Ich ging also zurück in sein Zimmer, holte mein Handy und leuchtete vorsichtig auf den Boden vor meiner Tasche. Und ja, ich fand genau das vor, was sich jetzt wahrscheinlich jeder denkt: eine „kleine“ Pfütze aus Blut glitzerte mir entgegen und neben ihr der ein oder andere Fußabdruck. Fluchend und mich fragend, was zur Hölle ich denn angestellt haben muss, dass mir das gerade alles auf einmal passiert, huschte ich ihn die Küche, um etwas Küchenrolle zu holen. Noch nie in meinem Leben musste ich etwas „leise“ aufwischen – dementsprechend war mir auch nicht bewusst, wie „laut“ ein Tuch auf einem Boden sein kann. Ich fühlte mich wie ein Agent auf geheimer Mission! Als ich alle Spuren beseitigt hatte, stand ich vor dem typischen Problem in einem Männerhaushalt. Wohin mit dem blutverschmierten Zeug? Im Bad gab es schließlich keinen Müll. Also musste ich das ganze irgendwie im Restmüll unterbringen. Als ich alles erledigt hatte, legte ich mich wieder zu ihm ins Bett, aber an schlafen war nicht mehr zu denken! Irgendwann wachte er auf und ging aufs Klo. Und das war meine Chance. Ich riss die Bettdecke vom Bett und sah: NICHTS. Pure Erleichterung machte sich in mir breit und beruhigt ließ ich mich wieder in die Kissen fallen! Mittlerweile kann ich nur noch darüber lachen!

Melli (30)
Ich war im Krankenhaus wegen einer Knie-Op und mein Chirurg war so lieb, und kam immer vor der Visite um nach mir zu schauen – ich war halt voller Schmerzmittel und hatte deshalb voll vercheckt, dass in dieser Woche meine Tage kommen. Meine Periode und ich sind wie eine Stechuhr, also zack zack zack, immer gleich. Ich wache also so auf und denke mir nur so “Warum ist das so nass?”, hatte schon Angst, dass ich mich in der Nacht angepinkelt habe, und schaue so an mir runter, alles voller Blut. Und auf einmal steht er schon so vor mir und ich konnte grade noch so im letzten Moment die Decke darüber legen. Er fragte mich dann, wie es mir geht, worauf ich nur meinte, dass alles ok ist. Als er sich mein Knie anschauen wollte, welches voller Blut war, wimmelte ich ihn noch gerade rechtzeitig ab und bat ihn, in zehn Minuten wieder zu kommen. Er war total verdutzt, weil das ja nicht üblich ist, dass man einen Arzt wegschickt, ging dann aber glücklicherweise. So hatte ich genügend Zeit, alles sauber zu machen, bis er wieder kam.

 

photo by Nolwen Cifuentes

 

 

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