Denise Bauer über das Wir-Gefühl in der Szene

Wenn einer Musikrichtung eine positive Aura zugesprochen werden kann, ist es im Bereich der elektronischen Musik wohl House. Für Houselover ist es beinahe unmöglich, die Füße still zu halten – sie müssen sich einfach bewegen, wippen und grooven, was das Zeug hält. Eine Künstlerin, die weiß, wovon wir hier sprechen, ist die Berlinerin Denise Bauer. Bei ihren Gigs gehört Tanzen ganz oben auf die Liste, der Spaß, den sie dabei empfindet, steht ihr ins Gesicht geschrieben und ist einfach ansteckend. Ihre Leidenschaft für elektronische Musik entdeckte Denise im Alter von elf Jahren. Einige Jahre später ließ sie sich durch den Berliner Club Tresor prägen, der anfangs noch in der Leipziger Straße beheimatet war, und wuchs mit 16 Jahren in die Welt des DJing hinein, wo sie sich von Ikonen wie Blake Baxter, Jeff Mills oder Dave Clarke begeistern ließ. Als es ihr nicht mehr ausreichte, zu feiern und in selbst aufgenommene Tapes oder Marushas Radioshow „Rave Satellite“ reinzuhören, schaffte sie sich Equipment an und spielte zu Hause ihre ersten Platten. Hatte es ihr zu Beginn vor allem Detroiter Techno angetan, verfiel sie später in eine housigere Schiene und startete ein Leben hinter den Turntables. Denise Bauer hat es geschafft, sich selbst einen Platz in der Tresor-Family zu sichern, und spielt heute regelmäßig in Berliner Clubs wie Hoppetosse, Golden Gate oder Club der Visionäre. Doch nicht nur die Berliner Szene ist ihr vertraut, auch in der französischen Stadt Lyon fühlt sie sich wohl – nicht zuletzt durch ihre Residency im angesagten DV1 sowie Gigs im L‘ambassade. Wie es um das heutige Berlin steht und was ihre eigene Musik macht, verrät sie uns im Interview.

Etwas, das in Berlin doch besonders auffällt, sind die weiblichen DJs. Im Vergleich zu vielen anderen Städten oder Szenen mischen sie hier deutlich mehr mit. Projekte wie die Mint-Klubnacht verhalfen Frauen zu mehr Bookings in der Stadt – und auch Denise gewann durch Mint jede Menge neue Inspiration sowie ein weiter reichendes Netzwerk: „Eine Zeit lang habe ich für die Klubnacht gespielt. Das war eine super Zeit, wir haben uns gegenseitig ausgetauscht und unterstützt. Dabei ging es natürlich darum, Frauen mehr in den Vordergrund zu rücken und zu pushen, was auch geklappt hat. Bei Mint wurde stets viel Wert auf Qualität gelegt. Mit den Girls hatte ich immer sehr viel Spaß.“ Doch nicht nur in Sachen Bookings hat sich einiges verändert, auch die Feierkultur ist laut Denise eine andere geworden. „Früher wurde viel mehr getanzt und es gab ein richtiges Wir-Gefühl. Die Leute haben einfach mehr Wert auf Musik gelegt. Heute ist der Sound in vielen Clubs ähnlich; er unterscheidet sich kaum noch. Auch das Booking ist gefühlt immer dasselbe – das spiegelt sich vor allem in der Musik wider und langweilt mich extrem. Ich habe das Gefühl, dass die Musik in den Hintergrund gerutscht ist und die Leute vielmehr ausgehen, um gesehen zu werden oder sich im Berliner Nachtleben zu verlieren. Das gilt natürlich nicht für alle Clubs, es gibt einige, die ihr Ding wirklich gut machen. Doch der Anblick vieler anderer Lokalitäten ist schon ziemlich erschreckend.“

Für die Produzentin gehört Musik zu einem normalen Tag einfach dazu – sie ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Genauso wie ihr kleiner Sohn, der sich den ersten Platz in ihrem Herzen gekrallt hat. In einer Musikerfamilie aufzuwachsen, kann für ein Kind etwas Wunderschönes sein, doch eine Karriere benötigt auch viel Zeit, um zu wachsen – das weiß Denise, bei der die Familie in den letzten Jahren immer an erster Stelle stand: „Der Kleine hat nun ein gutes Alter und ich fühle mich bereit, wieder mehr Zeit in die Musik zu investieren und mehr Gigs entgegenzunehmen. Seit drei Jahren habe ich ein Studio in Pankow, in dem ich auch täglich Klavier spiele. Im Studio kann ich gut abschalten, meistens drehe ich meine Lieblingssongs laut auf und tanze verrückt durch die Gegend. Für mich gehören Musik und Tanz unbedingt zusammen.“ Inspiration findet sie überall und schaut, wenn es um Musiker geht, besonders auf die Art der Performance oder die Produktionen – so zum Beispiel von Motor City Drum Ensemble oder Borrowed Identity. Aber auch klassische Musik, Jazz oder Hip-Hop berühren Denise, die selbst noch keine eigenen Releases vorweisen kann, das aber zusammen mit einem passenden Label bald ändern möchte. „Ich habe viel an meinen Produktionen gearbeitet und nun zwei Tracks fertiggestellt, die ich zeitnah veröffentlichen möchte. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass der Sound zum Label passt und nicht einfach nur auf die Schnelle releast wird. In meinen Produktionen setze ich auf meine eigene Stimme und produziere mit Ableton Live und Logic. Die größte Freude bereitet mir jedoch mein Prophet 08, mit dem ich meine eigenen Sounds kreiere. Das Singen war schon immer ein Teil von mir, als junges Mädchen sang ich in einem Jazzchor. Melodien schwimmen gerade nur so in meinem Kopf umher – sobald mir etwas einfällt, hole ich das Aufnahmegerät raus und lege los.“

photo by sabrinahell

artwork by lullamuera

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