Die Geschichte meines portugiesischen Surftrips

Als ich Anfang August meinen Flug nach Lissabon buchte, hätte ich nicht gedacht, dass ich dort wirklich surfen gehen werde.

9,99 Euro für einen Flug nach Lissabon – wie kann man da schon Nein sagen? Ich als semi-umweltbewusster Mensch jedenfalls nicht. Also klicke ich auf den „Jetzt Bezahlen-Button“ und freue mich auf meinen spontanen Ausflug nach Portugal, der bereits wenige Tage später losgeht. Ein Hotel buche ich nicht, ich kann ja einfach in der Hängematte am Strand schlafen. Mal wieder etwas zu naiv für meine Verhältnisse. In Portugal herrscht eine deftige Brise am Strand, sodass ich neben Schüttelfrost auch noch die Sorge haben müsste, dass sich meine Hängematte im Wind von mir verabschiedet. Also ab ins Hostel. Im Liv’in Lisbon bekomme ich ein Zimmer für 12 Euro die Nacht. Inklusive Frühstück und sieben weiteren Betten. Wow, das war schon fast zu einfach. Wobei ich schon einige Stunden unterwegs war, bis ich dort angekommen bin. Nach einer relativ hygienischen Dusche gehe ich ab ins Bett.

Am nächsten Morgen stehe ich um 08:00 Uhr auf. Ich will ja was erleben und nicht nur schlafen. Wobei ich schon ein bisschen Schlaf nötig hätte. Man könnte ja meinen, dass ich den Großteil meiner Zeit mit Spaß haben verbringe, aber da steckt auch viel Arbeit und Disziplin hinter. Das Frühstück ist noch nicht aufgetischt, aber ich bekomme das Gefühl, dass ich warten sollte. Wer weiß, vielleicht lerne ich ja ein paar Leute kennen, mit denen ich meinen Tag verbringen kann. Also warte ich und rauche eine Kippe auf der nicht ganz so stabil aussehenden Metalltreppe im Außenbereich. Zwei Frauen – ungefähr in meinem Alter – kommen unabhängig voneinander in den Speisesaal. Ich fange an, die eine von ihnen voll zu quatschen. Sie heißt Puk und kommt aus Dänemark, lebt aber in Hamburg. Sie ist halb deutsch, was ich allerdings erst später checke, also reden wir auf Englisch. Die andere, Iana, ist aus Russland und lebt in Italien. Der Liebe wegen. Na ja, das Thema diskutierten wir später bei einem gemütlichen Mittagessen aus, das passt jetzt aber nicht zum Thema.

Das Frühstück ist sporadisch, aber dennoch sehr lecker. Naturjoghurt mit Früchten und Pancakes. Ich steh auf die kleinen Pfannkuchen und während ich mir einen nach den anderen in den Mund stopfe, frage ich die Girls, wie ihr Tag aussieht. Iana fährt am nächsten Tag weiter nach Porto und wollte sich noch ein wenig in Lissabon umschauen. Puk hat Lust auf Sightseeing. Ich habe nicht so Bock auf Geschichte und langweilige Gebäude mit langweiligen Menschen. Also überrede ich die beiden, dass sie mit mir nach Ericeira kommen. Durch Tinder habe ich erfahren, dass die Gemeinde einen Besuch wert ist. Und Surfschulen gibt es da wohl auch. Puk hat auch Lust, die Wellen zu reiten, ebenfalls zum zweiten Mal. Iana ist noch unentschlossen, aber nach einer Zigarettenpause und Bearbeitung unsererseits, was es doch für ein Zeichen ist, dass wir uns dort getroffen haben bla bla bla … kommt sie schließlich mit.

Wir buchen ein Uber, 13 Euro pro Person. Ericeira befindet sich 37 km entfernt von Lissabon und gehört zum mittelportugiesischen Kreis Mafra. Die prachtvollen Küsten locken Surfer aus der ganzen Welt an. Von den Vibes fange ich jetzt mal gar nicht erst an. Die Autofahrt ist entspannt, es gibt jede Menge zu gucken und Iana erzählt mir ein bisschen was über Russland und Corona in Italien. Wir sind da. Mein Gott, ich habe den Girls wirklich nicht zu viel versprochen. Meistens ist es eh nur dummes Halbwissen, das ich verbreite, doch das Glück ist auf meiner Seite und der Ausflug entpuppt sich als wahrer Erfolg. Wir laufen ein bisschen umher. Verlieben uns in die Aussicht und die süßen weißen Häuser, die mit ihren blauen Fensterläden ein traumhaftes Bild abgeben. Irgendwie landen wir in einem Fischmarkt, wo wir ein paar echt eklig aussehende Fische zu Gesicht bekommen. Leider kein Interesse, das wollte die Verkäuferin nicht hören, ist aber trotzdem sehr freundlich zu uns, genauso wie der Rest der Menschen, denen wir an diesem Tag begegneten.

Und wo surfen wir nun? Wir klappern ein paar Surfshops, die gleichzeitig auch Schulen beherbergen ab. Wir sind wohl zu spät dran, die Wellen sind zu stark für Anfänger und die meisten Schulen gingen schon am frühen Morgen oder Vormittag in die Wellen. Scheiße denke ich mir, aber irgendwie ist es mir auch nicht so wichtig. Der Tag ist schön, so wie er ist. Puk geht es da anders. Sie ist jetzt richtig heiß darauf, Surfen zu gehen, und bleibt hartnäckig. Wir machen eine kleine Pause am Strand und schauen den “Profis” zu. Ein schönes Bild. Um nicht zu desinteressiert zu wirken, frage ich die Surflehrer nach einem Kurs. „Heute nicht mehr. Probiert es morgen“, bekomme ich immer wieder zu hören. Telefonnummern werden mir zugesteckt, Vermittlungen an andere Schulen. Einen Schlafplatz suche ich auch noch, denn ich habe nicht vor, zurück nach Lissabon zu gehen, wie die Girls. Also nehme ich die Nummern und behalte sie im Hinterkopf.

Nachdem sich unser Päuschen dem Ende neigt, macht Puk weiter Druck. Sie will surfen. Heute! Ok, ok – dann lass mal weiterschauen. Nach kurzer Suche und dem dringenden Abraten einiger anderer Surfschulen finden wir schließlich eine Schule, die uns am frühen Abend mit ins Meer nimmt. Das Board Culture Surf Center, etwa zwei Kilometer entfernt. 35 Euro kostet eine Stunde. Alles klar, bezahlt und Hand drauf. Unser Spaziergang zum Surf Center führt uns an den Klippen vorbei. Der Ausblick ist ein Traum. Nur schwer zu beschreiben, aber Google hilft. Wir haben noch ein wenig Zeit und als wir eine elegante weiße Steintreppe entdecken, die runter an den Strand führt, beschließen wir, eine Wasserprobe zu nehmen. Die Wellen sind so stark, dass ich mir unsicher bin, ob ich da wirklich rein möchte. Iana rennt voller Vorfreude hinunter und springt wie ein kleines Kind am Strand umher. Ich ziehe mich bis auf meinen Bikini aus und renne rein. Ach du scheiße. Es sind keine Monsterwellen, aber wirklich safe fühle ich mich auch nicht, als mich eine davon mit sich reißt. Ich habe kaum Zeit aufzustehen, da kommt schon die Nächste. Meine Haare fliegen in alle Richtungen, der Sand ist überall. Nette Erfahrung, aber jetzt reicht es auch wieder. Ich fange an, mir Sorgen darüber zu machen, ob das so eine gute Idee war, jetzt noch Surfstunden zu nehmen. Was solls, wir haben ja schließlich schon bezahlt und die Leute werden schon wissen, was sie da machen.

Unser Surflehrer kommt aus Brasilien und praktiziert den Sport schon fast sein Leben lang. Ich habe leider seinen Namen vergessen, aber er war wirklich lustig. Er klärte uns gut darüber auf, wie wir auf dem Board stehen und gab uns Hilfestellung im Meer. Ich glaube, ich habe den armen Kerl ein paar Nerven gekostet, weil ich lieber mein eigenes Ding gemacht habe und am liebsten weit hinaus ins offene Meer gepaddelt bin. Das darf man nicht unterschätzen, denn nur wenige Sekunden auf den Wellen können schon dazu führen, dass man den Anschluss verliert und auf einmal alleine dasteht, und das im großen, weiten Meer. Es ging noch mal gut. Ich schaffte es, ganze zweimal auf dem Board zu stehen, was für mich schon ein wahrer Erfolg ist. Puk stellte sich ebenfalls nicht schlecht an und Iana hatte nette Gesellschaft am Strand. Danach waren wir ziemlich erledigt und wollten einfach nur noch ins Bett.

Eigentlich wollte ich ja in Ericeira übernachten, doch der Tag mit den beiden war so schön, dass ich ihn mit ihnen abschließen möchte. Leider ließ sich kein Uber finden, dass uns zu dritt – zu einem für uns fairen Preis – mitnimmt. Auf der Hinfahrt hatten wir da einen lockeren Fahrer. Also schauen wir nach einem Bus. Nach langem Suchen und Laufen können wir weit und breit keine Haltestelle finden. Es geht den Berg hoch, wir sind alle kaputt. Kurz zuvor liefen wir an einem Surf Hostel vorbei, über den Zaun konnte ich einen Typen wiederkennen, neben dem ich zuvor noch im Meer geplantscht habe. Sie hätten noch einen Platz für mich frei, 18 Euro die Nacht. Ich wollte die Mädels nicht alleine lassen, deshalb gingen wir erst mal weiter. Doch kein Bus weit und breit und die beiden machen einen erschöpften Eindruck auf mich. Ich biete ihnen an, dass ich ins Hostel gehe, damit die beiden ein Uber rufen können.

Und so verabschiedeten wir uns schweren Herzens voneinander und ich machte mich auf in mein neues Abenteuer. Eine Nacht unter Surfern.

 

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