Ich hatte Sex ohne Kondom und habe mich mit Chlamydien angesteckt

Es war 2017, mein erstes Jahr als Single nach einer fast achtjährigen Beziehung, und ich hatte zu diesem Zeitpunkt wechselnde Sexpartner. Aufgrund einer Latexallergie habe ich keinen Spaß an Sex mit Kondom, daher ließ ich es meistens weg. Wie wichtig der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist, gerade dann, wenn sich die Anzahl der Sexpartner*innen erhöht, durfte ich wenig später erfahren.

Der Kerl, der mich mit Chlamydien ansteckte, arbeitete als Kellner in einem Burgerladen und ist heute nicht mehr mein Fall, doch damals fand ich ihn ziemlich süß. Er war in meinem Alter, ziemlich groß, braune Augen, mit denen er aussah wie ein bettelnder Hund und eigentlich hatten wir überhaupt keine gemeinsamen Interessen. Nachdem mir sein Profil auf Instagram aufgefallen war, schrieb ich ihm eine Nachricht mit der Hoffnung, dass wir uns mal treffen würden. Bereits wenige Minuten später meldete er sich zurück und wir fingen an, uns kennenzulernen. Nach ein paar Stunden kannten wir uns bereits genug, um uns für einen Drink in einer Bar zu verabreden.

Wir gingen in eine Kneipe in der Nürnberger Innenstadt und hatten einen schönen Abend zusammen. Hier und da miteinander geflirtet, als er mich irgendwann küsste und wir beschlossen, zu mir zu gehen. Wir verbrachten die Nacht miteinander und schliefen im Anschluss verschlungen ineinander ein. Ohne Kondom.

Es dauerte nicht lange, bis er mich zu einer Zigarettenpause bei sich auf der Arbeit einlud. Ich war sowieso in der Nähe, daher schaute ich mal vorbei. Wir fingen wieder an rumzumachen, nur dass ich diesmal ein komisches Gefühl bei ihm hatte. Ich bin normalerweise sehr selbstbewusst und überhaupt nicht auf den Mund gefallen. Bei ihm hatte ich das beklemmende Bedürfnis, meine Offenheit zu unterdrücken und überlegte ganz genau, was ich ihm erzählen kann, bevor ich anfing zu reden. Außerdem nannte er mich auf einmal „Schatzi“, was ich gar nicht cool fand. Mein Hirn sagte mir, dass es eine schlechte Entscheidung wäre, ihn noch einmal zu sehen, meine Vagina war leider anderer Meinung.

Beim nächsten Treffen verzichteten wir auf die Bar und gingen direkt zu Netflix & Chill über. Er fing an, in mir rumzustoßen. Ich nahm glücklicherweise die Pille, also musste ich schon mal nicht mit den Gedanken spielen, meiner Familie sagen zu müssen, dass ich von einem Barkeeper geschwängert wurde, denn das war das Letzte, was ich brauchte. Doch der Schutz blieb wieder weg. Am folgenden Morgen haute er schnell ab und die warmen Gefühle verblassten immer mehr.

Bereits nach ein paar Treffen wurde er besitzergreifend, raspelte per SMS Süßholz, während ich nicht in seiner Nähe war. Unter anderem wurde er sauer, wenn ich ihm schrieb, dass ich mit Freunden auf eine Party ging. Anfangs fand ich das noch ganz süß, doch dann ging es mir nur noch auf die Nerven. Wir trafen uns danach noch ein weiteres Mal, danach hatten wir beide die Schnauze voll und ließen unsere Romanze ganz sachte ausklingen.

Kurz vor Weihnachten drängte sich mir die Feststellung auf, dass irgendetwas da unten … nicht ganz in Ordnung war. Meine Vagina fühlte sich an wie ein undichter Wasserhahn und da unten roch es gar nicht gesund. Der Schleim in meinem Höschen war jetzt nicht mehr klar, sondern hatte eine eitrige Farbe und war voller kleiner Brocken. Schmerzen hatte ich, glaube ich, keine. Doch das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich mich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt haben musste. Ich machte einen Termin beim Frauenarzt aus und versuchte, die kommenden Tage zu überleben, doch es war fast unmöglich bei dem ständigen Unbehagen in meiner Hose. Es juckte die ganze Zeit so sehr, dass ich kaum gehen konnte, ohne mich da unten zu kratzen. Bei Kindern duldet man das noch in der Öffentlichkeit, bei einer erwachsenen Frau nicht. Am schlimmsten waren die seltsamen Gerüche für mich, die von meinem neuen Ausfluss kamen. Ich hatte Angst, dass mich jemand riechen könnte und somit auf frischer Tat ertappen würde.

Als ich endlich beim Frauenarzt war, lernte ich bereits meine zweite Lektion zum Thema Sex ohne Kondom. „Ein Chlamydientest für die Dame bitte“, brüllte die Empfangskraft durch die komplette Praxis, sodass jetzt auch alle anwesenden im Wartezimmer Bescheid wussten. Ich nahm in Wartezimmer Platz und wurde glücklicherweise schon nach kurzer Zeit aufgerufen. Ich erzählte der Ärztin von meinen Beschwerden, setzte mich auf den Untersuchungsstuhl und machte die Beine breit. Es ist schon ein komisches Gefühl, meine Vagina so aufzutischen. Die Ärztin machte ein paar Abstriche, während ich beschämt an die Decke starrte. Ich ließ auch gleich einen HIV-Test machen, wenn ich schon mal da war.

Die Frauenärztin bestätigte mir zwar insgeheim, dass etwas nicht stimmte, doch ich musste mich noch ein paar Tage gedulden, bis das Labor die Testergebnisse fertig hatte. Der Test für Chlamydien störte mich nicht so sehr wie der HIV-Test. Ich meine, die eine Sache hat sich mit einer Packung Antibiotika getan, die andere bleibt für immer. Ich hatte echt Panik. Hinzu kam, dass meine Vagina nicht aufhörte zu jucken, was mich fast wahnsinnig machte. Ein paar Tage später kam der Anruf. Ich musste erneut in die Praxis und die Untersuchungsergebnisse abholen. Normalerweise melden die sich nicht mehr, sollte alles in Ordnung sein. Toll. Die Frage war nur, was es war. Der Test für Chlamydien war positiv. HIV negativ. Das Gefühl, mit dem ich die Paxis verließ, war eine Mischung aus Freude und Scham. Kein schöner Moment in meinem Leben, das kannst du mir glauben.

Mir wurde bewusst, dass ich diesmal wirklich Scheiße gebaut hatte. Und das Schlimmste war, es war noch nicht vorbei: Ich musste den zwei Männern, mit denen ich ebenfalls ungeschützten Verkehr gehabt hatte mitteilen, dass sie vielleicht Chlamydien haben könnten. Von mir. Ich schrieb also beiden eine WhatsApp: „Hey du, das ist mir jetzt wirklich unangenehm, aber du solltest zum Arzt gehen, ich habe Chlamydien. Ich weiß nicht von wem, also kann ich dir nicht sagen, ob es vor oder nach dir war.“ Es kostete mich eine Menge Mut, meinen zwei Ex-Lovern zu sagen, dass ich sie mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt haben könnte. Glücklicherweise nahmen sie es cool auf, der eine von beiden hatte nicht mal eine Ahnung davon, was Chlamydien überhaupt sind, und so war es eine Art von Win-Win-Situation, da er sich seitdem regelmäßig testen lässt. Seine Antwort damals lautete nur „Ich dachte, du wärst sauber, deswegen hatte ich das Kondom weggelassen“. Kompliment an mich, doch keines an dich, du Vollidiot! Wir sind heute noch gute Freunde, daher ist das okay. Der andere nahm es zuerst auch ganz gut auf, später behauptete er, dass man mich lieber nur mit einer Kneifzange anfassen sollte.

Dem Typen, der höchstwahrscheinlich die Ursache für mein Jucken war, gab ich nicht Bescheid. Etwas, das ich heute bereue. Irgendwie war es fast wie ein Wunder: Ich musste ihn tatsächlich nie wiedersehen. Aber wirklich daraus gelernt hatte ich nicht direkt, denn ich trieb es eine Weile lang weiter ohne Kondom – im Zusammenhang mit regelmäßigen Tests. Doch manchmal fickst du jemanden, weil du denkst, dass derjenige „sauber“ ist und dann fickt das Leben dich. Weitere Krankheiten blieben zwar aus, doch mit der Zeit wurde mir bewusst, wie ernst das Thema Geschlechtskrankheiten ist. Sex mit Kondom macht vielleicht nicht so viel Spaß, aber Sex, begleitet von der penetranten Sorge, dass man sich mit etwas infiziert haben könnte, noch viel weniger.

Illustration: Alex Gamsu Jenkins

www.aidshilfe.de

Chlamydien sind eine ernst zu nehmende Krankheit und Sex ohne Kondom bringt immer ein Risiko mit sich – für beide Seiten!  Verhüte, lass dich regelmäßig testen und informier deine Partner, wenn bei dir eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert wurde! 

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