6 Gründe, warum du es dir noch mal überlegen solltest deine Haare abzurasieren

Es ist der 11. Januar diesen Jahres: ein Tag bevor meine Mama Geburtstag hat. Allerdings hat sie nur bedingt etwas mit der Story zu tun. Denn an diesem Tag entschied ich mich dazu, mir meinen Kopf zu rasieren – und habe mich gefragt, ob ich das meiner Mama als Geburtstagsschock sagen soll oder lieber nicht. 

Nein, das hier wird kein Artikel darüber, wie sehr mich das als Person verändert hat oder warum ihr das machen solltet. Davon gibt es schon genug.

Ich möchte euch lieber 6 Gründe nennen, die dagegen sprechen diesen Schritt zu gehen. An dieser Stelle will ich aber auch noch sagen: ich möchte euch nicht davon abhalten! Macht bitte, worauf ihr Bock habt.

Ich selber bereue auch null, dass ich mich Anfang des Jahres getraut habe. 

Es gibt allerdings ein paar Sachen, welche ich vorher doch lieber gewusst hätte, beziehungsweise, worauf ich hätte hören sollen. Aber fangen wir einfach an.

1. Das Rauswachsen dauert ewig – und damit meine ich ewig
Jaja, das hätte ich mir auch vorher denken können.. Mir war schon von Anfang an bewusst, dass es nicht nur zwei Monate dauert, bis meine Haare wieder etwas länger sind. Allerdings ist es auch einfach schwer vorstellbar, wie langsam Haare wachsen, bevor sie einmal so kurz sind. Und auch, wenn sie vielleicht schon drei Monate nachgewachsen sind, sieht es, vor allem mit meinen super glatten und dünnen Haaren, komisch aus. 

2. Zwischendurch hast du keine Frisur
Damit kommen wir auch schon zum zweiten Punkt: du hast zwischendurch keine Frisur! Das ist tatsächlich das Schlimmste für mich gewesen. Nach ungefähr drei Monaten waren meine Haare schon länger, aber sie lagen nicht. Vor allem meine Wirbel machten mir zu schaffen, weil die Haare an diesen Stellen in alle Richtungen abstanden. Es war einfach ein Krampf und hat dann noch mal ungefähr zwei Monate gedauert, bis ich wieder von einer Frisur sprechen konnte. Also fünf Monate insgesamt nach dem Haare rasieren. Eigentlich sogar acht Monate, weil ich so clever war und mich nach drei Monaten dazu entschlossen habe, alles nochmal abzusäbeln – aber da war ich ja selbst dran schuld!

3. Du frierst schneller
Ich weiß nicht mehr, wie viele Leute mich vorher gefragt haben, ob es denn so eine schlaue Idee ist, sich die Haare im Januar zu rasieren. Es waren viele. Natürlich war mir das zu dem Zeitpunkt aber total egal und ich kam immer mit der Antwort, dass es ja Mützen gibt. Das ist erstmal nicht ganz falsch, allerdings ist es super ungewohnt, wenn man von lang auf kurz geht und dadurch der Nacken frei liegt. Auch trotz Mütze ist es einfach kälter. Es fehlen ja die Haare als schützende Schicht. Eigentlich logisch, aber warum hätte ich anderen Leuten auch glauben sollen.

4. Du kannst dein Gesicht nicht mehr hinter Haaren verstecken
Ich habe lange unter Akne gelitten und meine Haare habe ich oft als „Schutzschild“ verwendet. Sobald ich das Gefühl hatte, dass jemand meine Haut anstarrt, ließ ich eine Strähne in mein Gesicht fallen. Während ich das schreibe, fällt mir auf, dass ich meine Haare schon immer und auch für andere unangenehme Situationen als „Barriere“ genutzt habe. Ich habe mich dadurch einfach unsichtbarer und sicherer gefühlt. 

Das ist ohne Haare natürlich nicht mehr möglich und es war auch etwas, was mich stark verunsichert hat. Kurz nachdem ich mir den sogenannten „Buzz-Cut“ zugelegt habe, begann ich mit meiner Akne-Therapie, weswegen meine Haut zwischenzeitlich schlechter wurde. Kontraproduktiv, wenn man keine Haare mehr zum ins Gesicht fallen lassen, hat. 

5. Es werden dich enorm viele Leute darauf ansprechen
Um hier zu Beginn klar zu stellen: es gibt unterschiedliche Arten, eine Person auf einen extremem Haarwechsel anzusprechen. Zu fragen, ob diese Person Krebs hatte und das ins Lächerliche zu ziehen, ist auf jeden Fall nicht die richtige Weise. Allgemein kann ich sagen, dass vor allem weiblich gelesene Personen öfter und aufdringlicher angesprochen werden. Ich hatte so viele männliche Bekannte und Freunde, welche sich ebenfalls den Kopf geschoren haben. Da kam dann meistens ein „Haha, Cool! Wette verloren?“

Bei mir kam häufig „Wieso hast du das gemacht? Hast du keine Angst, dass du wie ein Junge aussiehst? Untypisch für eine Frau.“ Und natürlich die Krebs-Sache. Eine Aussage schlimmer als die andere – und dazu einfach sau nervig.

6. Dir wird öfter, als dir lieb ist, bewusst gemacht, dass Leute auch 2020 immer noch veraltete Geschlechterideen haben
Ich hatte es ja bei Punkt 5 schon angesprochen: Zu viele Menschen stecken immer noch in ihren veralteten Geschlechterideen fest. Ich wurde nicht nur anders und öfter angesprochen als männlich gelesene Personen, sondern wurde oft für einen Mann gehalten. Sei es im Supermarkt, als eine Dame mich ansprach mit „Junger Herr, was steht da?“ oder auch im Innenhof, als Kinder tuschelnd an mir vorbeiliefen und darüber diskutierten, ob ich nun eine Frau oder ein Mann bin (deren Endergebnis war übrigens ein Mann, der aussieht, wie eine Frau). Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht nur Frauen und Männer gibt, war es einfach auffällig, dass kurze Haare für viele Leute immer noch als männliches Attribut gesehen wird – und das nervt!

Noch mal zum Schluss: ich möchte niemanden von irgendwas abhalten! You do you! Ich hab es auch nicht bereut, den Schritt gegangen zu sein. Allerdings habe ich Anfang des Jahres gefühlt nur Artikel gelesen, welche die Vorteile aufgezeigt haben und dachte mir daher, dass es gut wäre auch mal die (persönlich erfahrenen) Nachteile zu erzählen. 

Im Endeffekt könnt und sollt ihr bitte machen, was ihr wollt!


Fotos: Annes Homie

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