Leuchtende Formen und Farben tanzen durch einen sonst komplett schwarzen Raum. Die Lichter wirken fast schon hypnotisch. Dumpfe Bässe und gleitende Melodien ergänzen das Sinnesspektakel, in welches du immer weiter eintauchst … Nein, das ist keine Beschreibung einer der zahlreichen Berliner Techno-Clubs (auch wenn ich zugeben muss, dass es sich stark danach anhört). Die Rede ist von der multimedialen Ausstellung DARK MATTER.

Vor drei Jahren begann das Team um den Lichtkünstler Christopher Bauder nach einer Location zu suchen und seit zwei Jahren plante er DARK MATTER zusammen mit seinem Designstudio WHITEvoid. Gemeinsam stellten sie eine Sammlung aus einzigartigen Lichtinstallationen zusammen, die nun endlich für ein Publikum eröffnen durfte.

Ein paar Grundstücke neben dem Sisyphos in Berlin-Rummelsburg befindet sich der Parallelkosmos – der Weg dahin fühlt sich vertraut nach dem Weg zum Club an. Zwischen all den Lagerhallen und Industriegebäuden stechen zwei schwarze, sehr moderne Metall-Hallen hervor. Ich bin beeindruckt. Es wirkt simpel und gleichzeitig so mächtig. 

DARK MATTER Gelände
Foto: Anne Sophie Lange

Meine Reise beginnt im ersten Raum einer dreiteiligen Installation. LIQUID SKY. Der Name kommt nicht von irgendwoher: Über 800 einzelne Lichtpunkte bilden in ihrer Gesamtheit eine fließend-leuchtende Oberfläche an der Decke des Raums. Die Wände sind komplett verspiegelt, wodurch ich schnell das Gefühl für Raum und Zeit verliere. Beinahe hypnotisch wandert die Lichtinstallation in Wellen über den Horizont. Begleitet werden diese Wellen vom 8-kanaligen Soundtrack des Klangdesigners Boris Ackert. Die Klangbegleitung bewegt sich durch alle Räume des Triptychons und verbindet dadurch die ersten drei Installationen LIQUID SKY, INVERSE und das hypnotische Ballet CIRCULAR miteinander. 

Nach einem kurzem Gebäudewechsel erreiche ich ein loderndes digitales Feuer: das BONFIRE. Ich setze mich auf eine der Liegen um die Installation und beobachte das Feuer. Die fünf Meter hohen Flammen werden soundtechnisch von einem leichten Knacken begleitet, wodurch für einen kurzen Moment die Erinnerungen an all die zahlreichen Lagerfeuer hochkommen. Ein wohliges Gefühl. 

BONFIRE Dark Matter
BONFIRE / Foto: Anne Sophie Lange

Mit schönen Kindheitserinnerungen geht es auch im nächsten Bereich weiter, wo mich eine interaktive Kletter-Skulptur erwartete. Ja, richtig gehört: der POLYGON PLAYGROUND ist ein Spielplatz für jedes Alter. Die Oberfläche reagiert durch Sensoren auf die Besucher:innen, die mit ihr interagieren. Das lasse auch ich mir nicht nehmen und zack! sind meine Schuhe ausgezogen und ich verändere die Projektion des Spielplatzes, indem ich langsam über die kleinen Wege laufe. Das Kind in mir ist entzückt.

Der sechste Ausstellungsraum ist der größte von allen. An der Decke befindet sich eine atemberaubende Lichtinstallation namens GRID bestehend aus vielen kleineren Dreiecken, die mosaikähnlich miteinander verbunden sind. Ich fläze mich auf einen der Sitzsäcke und betrachte die schwebende Raumskulptur über mir. Es dauert nicht lange und ich habe das Gefühl, ganz woanders zu sein. Ein bisschen fühlt es sich nach Club an – aber intensiver. Es wirkt irgendwie meditativ. 

GRID Dark Matter
GRID / Foto: Anne Sophie Lange

Mit etwas wackligen Beinen verlasse ich den Raum und damit die zweite große Halle. Nun erkenne ich auch, dass es insgesamt drei eigenständige Gebäude sind. Im dritten und kleinsten Häuschen finde ich die TONLEITER vor. Genau genommen sind es zwei Leitern, die mit Sensoren erweitert und dadurch zu einem Musikinstrument umfunktioniert wurden. Jede einzelne Sprosse ist mit Samples unterlegt und ich zaubere mein eigenes musikalisches Meisterwerk, das von passenden Lichtanimationen begleitet wird. Ich bin begeistert! Fun Fact: die Sprossen-Samples sind dieselben wie bei der Entstehung vor 20 Jahren, wie Christopher Bauder mir erzählte.

DARK MATTER ist ein Erlebnis, das alle Sinne reizt. Jeder Raum ist einzigartig und es ist unmöglich zu sagen, welche Installation mir am besten gefiel. Zu dem Ergebnis kommt auch der Künstler selbst. »Jede Installation war zu einer bestimmten Zeit mein Liebling«, erklärt Christopher Bauder. Vor allem die Kombination aller Ausstellungsstücke macht daraus etwas besonderes, ergänzte er. 

Das kann ich nur unterschreiben. Alle Skulpturen zusammen machen DARK MATTER zu dem was es ist. Eine bunte Parallelwelt hinter einer schwarzen Metallfassade. Ich tauchte für einen kurzen Moment in jene andere Welt ein. Dachte über nichts anderes nach, außer das hier und jetzt und ließ mich, begleitet von experimentellen Klängen, von dem Farben- und Lichtermeer durch die Ausstellungsräume tragen – eine wohltuende Abwechslung in den sonst immer gleichen Pandemie-Tagen.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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