Erst in die Uni, danach für ein paar Stunden arbeiten, einkaufen, kochen, etwas für die Uni machen, schlafen und repeat. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Danach geht es im Arbeitsleben ähnlich weiter. Zeit für Hobbys? Ist vielleicht da, aber so ein bisschen was vorbereiten für den nächsten Arbeitstag kann man ja noch. Oder man ist zu müde.

66 Prozent der 18 bis 29-jährigen in Deutschland leiden nach eigenen Angaben unter Stress. Der Teil der Bevölkerung, der 30 bis 39 Jahre alt ist, ist sogar zu 82 Prozent gestresst. Die Gründe dafür sind vielseitig. Finanzielle Sorgen, eine frustrierende Arbeit und/oder belastende Familiensituationen sind nur einige Gründe. Auch unser Mobiltelefon stresst uns. Immer erreichbar sein, tausend WhatsApp-Nachrichten hier, neue Storys auf Instagram da. Wir fühlen uns verpflichtet auf jedes Bing! einzugehen. Mit jedem Griff zum Handy wird das Stressgefühl verstärkt.

Ich merke direkt, wenn ich gestresst bin. Obwohl ich die Arbeiten unbedingt erledigen möchte, bekomme ich nichts auf die Kette. Alles fällt mir schwer und der Druck wird unaushaltbar. Gönne ich mir eine Pause? Garantiert nicht, immerhin mache ich meinen Wert an meiner Produktivität fest. Wenn man sein ganzes Leben in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft verbrachte, ist das vielleicht auch kein Wunder. Und das, obwohl Stress ein eigenständiger Risikofaktor für einen plötzlichen Herztod sein kann.

Das führt nicht selten zu einem Burnout. „Burnout beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Die Betroffenen können sich nur schlecht konzentrieren, machen viele Fehler. Manche verlieren auch die Energie für ihr Privatleben.“ So lautet die Beschreibung des Syndroms auf NetDoktor. Schaue ich mir mein privates und berufliches Umfeld an, trifft das auf einen Großteil zu. Das deckt sich auch mit einer Umfrage der pronova BKK. Hier gab jede zweite Person an, dass sie sich von Burnout bedroht fühle. 

Durch Corona ist das Stresslevel nur weiter angestiegen. Keine Trennung mehr von Privatem und Beruflichem. Die Angst, dass Menschen, die man gerne hat, etwas passiert. Das, gepaart mit den überproduktiven und selbstdarstellerischen Menschen auf Instagram, ist der perfekte Nährboden für ein ungesundes Maß an Stress. 

Während ich große Reden schwinge, wie gefährlich Stress sein kann, bin ich so gestresst, wie schon lange nicht mehr. Ich habe Konzentrationsprobleme, meine Sehfähigkeit lässt nach und gegen meine Kopfschmerzen hilft auch keine Ibuprofen mehr. Höre ich auf die Warnsignale? Auf den Schmerz, den ich verspüre? Nein! Ich arbeite weiter. Immerhin muss der Beitrag ja fertig werden. Nicht, dass jemand denkt, ich wäre unproduktiv und faul.

Wir haben uns so an den Druck gewöhnt, dass wir lernen müssen, nichts zu tun. Einfach auf der Couch zu gammeln ohne was zu machen – und vor allem ohne uns schlecht zu fühlen. Denn wie viel Stress wir aushalten, bis wir letztendlich daran zerbrechen, ist kein cooler Flex. Sein Leben zu genießen und Dinge zu tun, die einem Spaß machen und Abschalten lassen hingegen schon. 

Illustration © Laura Sistig

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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