#dieletzeInstanz ist das Symptom einer strukturellen Problematik und trotz diverser Entschuldigungen Zeugnis eines exklusiven Systems, das in der Sendung beinahe wie eine Karikatur seiner selbst erscheint. Ich möchte anmerken, dass es mir im Folgenden nicht um einzelne Statements oder Charaktere geht. Die eigentliche Problematik sitzt – trotz aller zur Schau gestellten Ignoranz und Unkenntnis – tiefer. Jede Z- oder N-Wort-Debatte ist hier und an anderer Stelle indiskutabel!

Der Anteil der Menschen, die in Deutschland laut Definition einen Migrationshintergrund haben, liegt bei 26 Prozent. Dies trifft immer dann zu, wenn jemand hier lebt, aber die deutsche Staatsbürgerschaft nicht durch Geburt besitzt oder mindestens ein Elternteil hat, auf das dies zutrifft. Somit kommen wir auf etwa 21,2 Millionen potenzielle Gäste, die allesamt nicht im WDR zu Wort gekommen sind. Wie konnte das passieren? Wie kann es sein, dass dieses gesellschaftliche Viertel von niemandem im Sender mitgedacht wurde? Und warum wurde die Sendung sogar wiederholt ausgestrahlt?

Die Antwort ist einfach: Studien zufolge spiegelt sich genau diese oben angesprochene gesellschaftliche Realität kaum in den Redaktionen deutscher Medienhäuser wider. Eine Studie aus NRW schätzt beispielsweise, dass lediglich fünf Prozent aller Journalist*innen einen Migrationshintergrund haben. Eine der ersten repräsentativen Studien zur Diversität in der deutschen Medienlandschaft aus 2009 besagt sogar, dass in 84 Prozent der Tageszeitungen “einheimische Journalisten” vollkommen unter sich sind.

Diese Unterrepräsentanz ist problematisch, denn Medien nehmen in demokratischen Gesellschaften eine prägende Rolle für die Informationsbeschaffung der breiten Bevölkerung ein. Einseitige Blickwinkel verzerren die Wirklichkeit und sorgen dafür, dass eine Talkshow zur ethnisch homogenen Stimme der Mehrheitsgesellschaft wird und kein Verantwortlicher hat das kritisch hinterfragt.

”Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch Massenmedien.”

Journalist*innen sind als Menschen von ihrer persönlichen Erfahrung und Meinung geprägt. Sie sind Teil von gesellschaftlichen Strukturen, haben Meinungen und urteilen über Sachverhalte. Diese Neigungen spiegeln sich in ihrer Arbeit und beeinflussen diese. Redaktionen mit Qualitätsanspruch, sollten sich also zum Ziel setzten, die gesellschaftliche Realität in all ihren Facetten abzubilden, sei es in der Belegschaft oder in der Zusammenstellung ihrer Gästekonstellationen.

Ich bin davon überzeugt, dass der WDR einen Shitstorm hätte vermeiden können, wenn er mehr in die eigene Diversität plus antirassistische Bildung investiert und Menschen zu Problemen befragt hätte, die über Expertise verfügen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen ihren Beteuerungen Taten folgen lassen und möchte an dieser Stelle auf die Arbeit der neuen Deutschen Medienmacher*innen hinweisen.

Es folgt ein Bild des WDR-Rundfunkrates.

WDR Rundfunkrat
© FOTO: WDR

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE. 

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2 Comments on “Die letzte Instanz war kein Ausrutscher!”

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