Es geht um eine Bewerbung

Gut, ein Schritt weiter. Schließlich wird jetzt irgendwas erwartet. Oder stehe ich noch an selber Stelle und hüpfe dabei nur? Vielleicht stecke ich ja inmitten meines Sprunges kurz vor der Landung. Kurz vor dem nächsten Schritt? Oder ich schlage mir den Kopf an beim Springen, nächster Dämpfer. Wo lang eigentlich? Schön es nicht zu wissen, weiß nur, dass bis zu diesem Punkt zwei sinnfreie Minuten verstrichen sind. Ich bilde mir ein, ohne Erfahrungen wenig sagen zu können. Da kann Sofia mit ihrem Lebenslauf, der so lang ist wie ich groß, nur schräg schmunzeln, wenn sie mich ausgestreckt auf ihrem Sofa mit gelangweilten Augen durchbohrt. Geschichten wird es geben. Erfahrungen. Naja, Erfahrungen macht man ständig. Nur was für welche. Wichtig ist doch aus ihnen zu lernen. Aufstehen. Krone richten. Ach sei Still. Sonst hüpft man ja nur. Schrecklich anstrengend. Kann schließlich auch eine vierjährige Verschwendung meines Lebens für einen Arbeitgeber vorweisen. Oder 900 einprägsame Stunden im Altenheim. Oder das Leben eines Verkäufers sowie eine lange Laufbahn als Käufer. Eigentlich nicht erwähnenswert oder doch?

Auch Erfahrungen, vor allem gut verarbeitete. Viel Positives. So viele Arbeitsbereiche sind das nun auch nicht. Besonders heute nicht mehr. Hat man durch all die Einblicke einen besseren Durchblick? Oder spielt man sich diesen nur vermehrt vor? Interessant. Gutes Beispiel dafür zu was ein jeder doch fähig ist. Facettenreich aufgestellt durch die Arbeitswelt waben.

In meinen Augen deutlich erstrebenswerter als Papas großer Wunsch, nach dem Abitur direkt das Studium Ingenieurwesen anzutreten. Weil er das will. Weil er es auch ist. Weil ich es muss. Weil ich so ein guter Sohn bin. Weil es das beste für mich ist. Weil ich unter immens ausgesetzten Druck in diesem Alter schwer Nein sagen kann. Weil die Vorbildfunktion so was von zieht. Weil ich mich, meine Träume, meine Wünsche verdränge und einschließe. Mitleidserregenden Erfahrungen sei Dank. Durch solche kann man sich als Unbetroffener auch freier fühlen.

Verhaspelt. Ich habe mir vorgenommen, schnell zu antworten. Kommt besser, ohne Überlegung anzufangen. Kommt besser? Sinnvoll ist hierbei Ansichtssache. Kommt wahrscheinlich nicht besser. Zu meiner Person lässt sich nicht viel, aber doch ein ordentliches Gespräch führen. Lese, schlafe, jogge, esse, rauche und liebe gerne. Vorrangig schöne Titelbilder erhalten eine besondere Beachtung. Oberflächlichkeit ist mir dabei aber nur bei Büchern wichtig. Zudem überzeugt von der These, dass jeder Mensch mal eine Brille braucht. Ebenfalls davon überzeugt, lieber Geld zu sparen, anstatt in Osteuropa meine Augen lasern zu lassen. Liebevoll, strenger und genauer Kontrolleur von Texten. Selber aber auch zu blöd, fehlerfrei Texte zu schreiben.

Die Subjektive, anmaßende, durch eigene Meinung geprägte Berichterstattung gefällt mir sehr. Kann mir viel vorstellen, mag es aber einen groben Leitfaden vor Augen gehalten zu bekommen. Vielleicht einen wöchentlichen Blog zu einem von euch ausgewählten Thema. Mit markanter, einprägsamer Erzählweise. Zurzeit liege ich im Bett. Wie wohl andere ihren Probetext kreieren? Sich mehr vorbereiten, themenbezogen. Oder wie ich sich einbilden, mit ihrer Schreibweise sich selbst und anderen einen Gefallen zu tun. Könnte stundenlang um den lauwarmen Brei herum reden. Spannend. Sowie erst nicht nachvollziehbare Sprünge inmitten eines Dialoges. Lass es uns spannend machen. Lass was Neues machen.

Wichtig: War nie einer dieser Surferfrisur-Typen, kann nicht surfen, kann nicht Skifahren, kann keine Selfies machen, finde mich unfotogen. Kann jeden Ballsport ziemlich gut, weder Hunde- noch Katzenbesitzer nur zweimal einen Hasen gehabt, habe mich, bis ich 22 Jahre alt war, nicht getraut zu Fragen, wie die Faustregel für die Anzahl der Monatstage funktioniert. Erlebe zurzeit eine Trauermückenplage in meiner Pflanzenerde. War der Einzige mit Brille im Fußball, war immer der jüngste in meiner Schulkarriere, glaube nicht an Religionen und halte überhaupt nichts von einer patriarchalischen Gesellschaft. Überzeugt von der These: Auf welcher Seite du stehst, ist reiner Zufall, durch Geburt. Nichts in der Hand. Keine klaren Sätze, Floskeln. Genug. Wünsche bleiben offen. Ein Text, der besser im Stillen anstatt laut vorzulesen ist.

Anmerkung der Redaktion: Marcel liefert die perfekte Vorbereitung für ein mögliches Bewerbungsgespräch bei uns. Sein Text hat uns jedenfalls überzeugt. Probier es aus und schick uns deinen Stuff an info@dieverpeilte.de

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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