Es ist ein relativ kühler September-Samstag. Ein bisschen zu kühl, wenn ihr mich fragt. Ich bin auf dem Weg zu meiner Tram-Station und mache mich auf in Richtung Kreuzberg.

Hoffentlich ist die Straßenbahn nicht so voll, denke ich mir. Kein Bock zu stehen, das werde ich heute sicherlich noch genug.

Nach einem kurzen Tramwechsel komme ich an der Warschauer Straße an und  steige fix in die U-Bahn, die mich zu meiner Zielhaltestelle bringt. In Kreuzberg am Schlesischen Tor angekommen, laufe ich in die Köpenicker Straße. Mein zehnminütiger Fußweg endet an einem alten Fabrik-Gelände.

Etwas orientierungslos steuere ich auf einen Eingang zu. Der Falsche, wie sich herausstellt. Das ist allerdings kein Wunder, denn auf dem Areal befinden sich mehrere Locations: der Sage Beach samt Bar, die Fiese Remiese, das Fies & Zornig und natürlich das Münsterland Luxus – meine Zielstation!

Weißt du zufällig, wie ich zum Münsterland Luxus komme?”, höre ich eine Stimme rufen. Ihr Name ist Sophie, wie ich erfahre.
“Ne, nicht wirklich…”, entgegne ich, “Aber ich bin auch auf der Suche!”
Gemeinsam versuchen wir die Location zu finden und unsere Mission ist geglückt.

Zu unserer Verteidigung: Der Club ist wirklich versteckt!

Para//e/ Hamburg ist das Label meines Kollegen Tilmann Schanze. Zusammen mit Florian Kirsch und May Meene plant und führt er damit seit 2019 Veranstaltungen durch und letztes Wochenende kam mit einem Event nach Berlin. Die Musik: ein harter, industrieller Sound mit Trance- und Acid-Elementen – also genau meins. Als ich ankam, traf ich Tilmann direkt an der Tür.

“Freut mich, dass du da bist, Anne! Hier hol’ dir damit erstmal was zu trinken.” 

Er hält mir eine Getränkemarke entgegen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. 

Mit einem Getränk in der Hand befinde ich mich nun auf dem Gelände und versuche mir einen Überblick zu verschaffen. Es gibt viel zu entdecken. Mitten im Club steht ein kleiner, alter Wohnwagen, der wahrscheinlich noch die originale Einrichtung aus den 70er-Jahren besitzt. Daneben steht eine selbstgebaute Holzkonstruktion mit weiteren Sitzmöglichkeiten sowie ein kleiner, aber feiner, überdachter Floor. Allgemein ist die Location ziemlich verwinkelt, wodurch sich die Besucher:innen verstreuen. Ich bewege mich zurück zur Tanzfläche.

Das Warm-Up des Abends übernahm WLLKR, DJ und Video-Creatorin aus Hannover. Gerade legt die aus München stammende Synta auf und ihre treibenden Beats ziehen die Leute auf den Floor, welcher für diese Uhrzeit schon gut gefüllt ist. Ich treffe Sophie wieder, mit der ich gemeinsam den Club gesucht habe. 

“Bist du alleine hier?”, fragt sie mich.
“Ja, ich glaube ich kenne hier niemanden so wirklich”, antworte ich ihr.
“Ah, okay! Komm mit, ich stelle dir die Leute vor mit denen ich hier bin.”
Ich war also nicht mehr alleine dort. 

Nachdem ich neue Bekanntschaften gemacht habe, ist es Zeit zu tanzen. Der Tag wird langsam zur Nacht und der Platz auf der Tanzfläche immer weniger. Der dritte Artist des heutigen Abends ist Buffalo In Crime. Mit seinem schnellen und vor allem bouncigen Acid-Techno-Set bringt er auch die letzten Sitzenden dazu, sich auf den Floor zu schwingen. An der grandiosen Stimmung ändert auch ein kurzer Stromausfall nichts. Nachdem die Sicherung wieder drin ist, geht es direkt weiter. 

Ein großer Pluspunkt des Line-Ups: Es wurde, im Vergleich zu anderen Events, auf ein Diversität geachtet. Es war nicht so, dass man zwischen zehn männlichen Artists mal eine Frau hinter dem Pult sah. Auch wurden Newcomer gebucht, welche mindestens eine genauso gute Stimmung geschaffen haben wie bekanntere Künstler:innen.

Der letzte Künstler auf dem Line-Up: DJ Hyperdrive aus Berlin. Er schließt den Abend mit harten, trippigen Trance-Klängen ab. Kurz vor Ende hat die Party ihren Höhepunkt erreicht – man soll ja immer aufhören, wenn’s am schönsten ist. 

Für Tilmann war die Veranstaltung ein voller Erfolg – trotz kleiner Problemchen, die wohl immer dazugehören. Ich kann ihm da nur zustimmen und trete den Heimweg an.

Mit Erinnerungen an ein tolles Event, nette Menschen und gute Musik.

Was will man mehr?

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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