Seit ungefähr fünf Jahren ernähre ich mich vegetarisch. Alles begann mit einem Video aus einem Schlachthaus, während ich einen Burger aß. Die Schuld machte sich direkt in Form von Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar. Im Laufe des vegetarischen Lebens stellte ich schnell fest, dass die Eier- und Milchproduktion mindestens genau so grauenvoll ist, weswegen ich seit ein paar Monaten versuche, mich so vegan wie möglich zu ernähren. Damit bin ich nicht die Einzige. In den letzten Jahren wurden die Rufe nach mehr Tierwohl immer lauter und die Nachfrage nach tierleidfreien Produkten immer höher. Unter Videos, die die Tierqualen in Schlachthäusern aufzeigen, wimmelt es nur so von „Oh mein Gott, das geht ja gar nicht!“- Kommentaren. Auch in den Supermärkten zeichnen sich andere Bilder ab als noch vor ein paar Jahren. Regionalität, Bio, bessere Haltungsformen – all das wird den Konsument:innen immer wichtiger. Das merkt auch die Politik. Im Auftrag des Argrarministeriums wurde eine Machbarkeitsstudie zu den Finanzierungsmöglichkeiten für mehr Tierwohl durchgeführt und dem Bundestag vorgestellt. Im Wesentlichen nennt diese Untersuchung drei Möglichkeiten:

1. Anhebung des Mehrwertsteuersatzes:

Auf tierische Produkte wie Fleisch und Eier könnten zukünftig 19 Prozent Mehrwertsteuer anstatt sieben Prozent erhoben werden. Wenn der Steuersatz nicht für alle Lebensmittel insgesamt angehoben wird, würden Verbraucher:innen im Verhältnis gesehen mehr für tierische Produkte zahlen.

2. Einführung einer Verbraucher:innensteuer, die sogenannte Tierwohlabgabe:

Bei der Einführung einer Verbraucher:innensteuer könnten beispielsweise 47 Cent pro Kilogramm Fleisch oder zwei Cent pro Kilogramm Milch erhoben werden. So würde dann zum Beispiel ein Biosteak nicht anders besteuert werden als billiges Fleisch. 

3. Tierwohl- oder Fleisch-Soli:

Die letzte Finanzierungsmöglichkeit wäre eine ergänzende Abgabe auf die Einkommenssteuer. Diese Form der Finanzierung wäre leichter zu organisieren, allerdings müssten auch vegetarisch oder vegan lebende Steuerzahler:innen die Kosten mittragen.

Inwiefern würde sich das Leben der Tiere verbessern?

Zum einen könnten die Ställe nach bestimmten Standards tierschutzgerechter umgebaut beziehungsweise gebaut werden. Dadurch würden die Tiere mehr Platz und Licht bekommen. Es wäre ebenfalls möglich, das Futterangebot zu verbessern. Insgesamt wären drei Stufen vorgesehen. Die Erste ist ein wenig besser als unsere derzeitige Situation. In der zweiten Stufe hätten die Tiere zum einen mehr Platz und zum anderen mehr Kontakt nach außen und die letzte Stufe wäre mit Auslauf und Weidehaltung. So weit, so gut.

Kann ich dann bedenkenlos tierische Produkte kaufen?

Im Endeffekt wird immer Tierleid unterstützt, wenn tierische Produkte gekauft werden. Dessen sollte man sich bewusst sein. Egal ob es der Käse ist, „auf, den man nun leider wirklich nicht verzichten kann“ oder das Rindersteak in Medium Raw. Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger hier stehen. Auch ich schaffe es nicht immer, mich 100 Prozent vegan zu ernähren. Letztendlich geht es darum, dass wir bewusster konsumieren. Dass wir uns überlegen: Muss ich wirklich mehr als ein Mal die Woche Fleisch essen? Reicht nicht vielleicht auch einmal im Monat? Dass wir, falls möglich, lieber zu einem kleinen Bauernhof gehen und dort unsere Eier kaufen, anstatt 1,29 Euro für zehn Eier aus dem Supermarkt zu bezahlen. 

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es ein Privileg ist, diese Einstellung zu besitzen. Für manche Personen oder Familien ist es nicht so einfach, teurere Ersatzprodukte zu kaufen oder sie wissen schlichtweg nicht, wie man diese günstig ersetzen kann. Daher sollten finanzielle Anreize geschaffen werden, mehr vegetarische und vegane Produkte zu kaufen. Ein Beispiel wäre, die Mehrwertsteuer von Ersatzprodukten zu senken. Derzeit wird ein Sojaschnitzel mit 19 Prozent besteuert, ein Schnitzel aus Schweinefleisch allerdings mit sieben Prozent. Ebenfalls sollte mehr Aufklärung betrieben werden. Der Heimat und Sachkunde-Unterricht in der Grundschule wäre doch ein guter Startpunkt, oder? Die Machbarkeitsstudie unserer CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist ein Schritt Richtung Veränderung. Schlussendlich kann aber nur so lange von Tierwohl geredet werden, bis es Zeit zur Schlachtung ist. Denn das Töten von Tieren zählt nicht darunter. 

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE / Foto: Diana Rotter

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One Comment on “Finanzierungsmöglichkeiten für mehr Tierwohl – bessere Bedingungen durch höhere Preise?”

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