Warnung: Dieser Text enthält Schilderungen von Drogenkonsum und Tod.

Die Clubtüren waren durch Corona lange Zeit verschlossen. Sehnsüchtig wartete ich darauf, endlich wieder feiern gehe zu können. Als es dann so weit war, passte es für mich anfangs nie so richtig. Auf Tagesevents hatte ich nicht so sehr Lust. Wenn dann doch mal ein gutes Event anstand, musste ich genau an diesem Tag arbeiten. Und eigentlich muss die Master-Arbeit auch noch irgendwann zu Ende geschrieben werden. 

Nachdem ich meine Wochenenden dann letztendlich doch zu Hause verbrachte, streute ich am liebsten Salz in die Wunde, indem ich auf Instagram abhing und schaute, was so ging und wer wo war. Hauptsache meine FOMO anheizen, mich alt fühlen und mir denken: “Ach Mensch, wäre ich nur auch mal feiern gegangen.” Ein Bekannter erzählte mir von dieser extrem guten Party im Suicide Club. Von der ausgelassenen Stimmung, treibender Musik und einer allgemein gelungenen Nacht. Über Instagram erfuhr ich dann, dass eine junge Frau nach dieser Veranstaltung gestorben ist. Der Grund: mutmaßlich eine Überdosis GHB.

In den letzten Jahren schlich sich die Droge immer mehr in die deutsche Clubszene ein. Als ich vor ein paar Jahren im Club Salon zur Wilden Renate war, wunderte ich mich noch über das Schild auf dem “No Pictures, No Discrimination, No GHB/GBL” stand. Ich wusste, dass es die Droge gibt. Großartig verbreitet war sie damals aber noch nicht – zumindest nicht offensichtlich. Gut fünf Jahre später ist sie aus der Partyszene nicht mehr wegzudenken und die Gefahren werden weiterhin unterschätzt.

Aber was sind GHB und GBL?
GHB steht für Gamma-Hydroxybuttersäure. Unser Körper wandelt dies in den Botenstoff GABA um, wodurch in unserem Gehirn Einfluss auf unser Wach- bzw. Schlafzustand genommen wird. GHB ist eigentlich ein weißlich-gelbes Pulver, welches aber in der Regel als flüssige Lösung angewendet wird. GBL ist die gekürzte Form für Gamma-Butyrolacton und unser Körper wandelt GBL schnell in GHB um, wodurch die Wirkung letztendlich identisch ist. Gamma-Butyrolacton ist eine klare Flüssigkeit und vor allem in chemischen Reinigern enthalten. Also etwas, was man normalerweise nicht trinkt. Oder zumindest nicht sollte.

In der Partyszene ist GHB als „G“ und „Liquid Ecstasy“ seit den 1990ern bekannt. Mit der Wirkung von Ecstasy hat es allerdings wenig gemein. Zwar wirkt es in geringeren Dosen euphorisch, enthemmend und führt zu erhöhtem Rededrang, allerdings kann es bei einer höheren Dosis eine narkotisierende Wirkung haben. Daher wurde und wird es auch als sogenannte K.O.-Tropfen eingesetzt und in den Medien auch gerne Vergewaltigungsdroge genannt. 

Wie bereits erwähnt wurde G in den letzten Jahren immer beliebter und die kleinen braunen Flaschen mit Pipette tauchen vermehrt auf Tanzflächen und Clubtoiletten auf. Immer häufiger sehe ich Menschen auf dem Floor, die mehr und mehr die Kontrolle über ihren eigenen Körper verlieren. Auch passiert es immer öfter, dass explizit nur diese Droge von Veranstalter:innen verboten wird. Und das zurecht, denn eine Überdosis kann schnell erreicht werden. “Der Unterschied zwischen der Dosis, die den gewünschten Effekt bringt, und der Dosis, die zum toxischen Koma führt, ist gering. Daher ist die Gefahr der unbeabsichtigten Überdosierung hoch.”, heißt es auf drugcom.de.

Die Droge GHB fällt bereits unter das Betäubungsmittelgesetz und ist in Deutschland verboten. Allerdings ist GBL, was im Körper in GHB umgewandelt wird, ganz einfach literweise im Baumarkt erhältlich. Das Problem daran: Es ist nicht nur einfach zu erwerben, sondern auch wesentlich potenter und dadurch letztlich gefährlicher.

“Die tödlichste Partydroge Europas”
Wie gefährlich und verbreitet GHB eigentlich ist, verstand ich das erste Mal vor circa zwei Jahren durch die VICE-Doku “The Rise of the Deadliest Party Drug”. Selbst habe ich GHB nie probiert – und es steht auch nicht auf meiner To-Do-Liste. Die Reportage gab allerdings einen guten Einblick über die Wirkungsweise. User:innen berichten über den Rauschzustand. Wie es sich anfühlt. Wie sich das Verhalten verändert. Komische Grimassen, schräge Bewegungen und Zuckungen sind die noch eher harmlosen Begleiterscheinungen. Durch die Stimulation der Libido wird das sexuelle Verlangen angeregt. Unangemessene Berührungen und sexuelle Übergriffe sind dadurch keine Seltenheit. GHB schadet also nicht nur dir selbst, sondern potenziell auch den Menschen um dich herum. 

Eine Überdosis ist sehr schnell erreicht. Krämpfe, Zuckungen, Erbrechen, Schwindelgefühle: All das und noch mehr sind die Risiken und Nebenwirkungen. Mischkonsum mit anderen Drogen, vor allem mit Alkohol, sollte dringend unterlassen werden, da es schnell tödlich enden kann. Aber am besten ist, wenn du ganz die Finger davon lässt!

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

Du hast ein Suchtproblem oder machst dir Sorgen um betroffene Freund:innen und Verwandte? Hilfe bei Drogenabhängigkeit findest du in Deutschland über das Suchthilfeverzeichnis oder unter +49 2381 9015-0. In Österreich bietet das öffentliche Gesundheitsportal anonyme lokale Suchtberatung. In der Schweiz findest du Beratung über Suchtschweiz.

Illlustration © Teresa Vollmuth

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