Portugal 2020: Während in Deutschland die Pandemie tobt und viele Kreative plötzlich arbeitslos wurden und im Lockdown saßen, konnte und durfte Yannic Pöpperling in Portugal als Fotograf arbeiten, was er sehr schätzte. Möglich wurde das durch einen Kunden, der ihn schon vor der Pandemie buchte und dann mit Aufträgen weiterversorgte. Als in Deutschland nichts ging, konnte er in Portugal abends im Restaurant sitzen und tagsüber die Sonne genießen. „Das war kein Urlaub, das war harte Arbeit,“ versichert er mir, gibt aber auch zu, dass er ein anderes Jahr 2020 erlebt hat, als viele andere. „Meine Frau und meine Freunde hatten ein anderes Jahr wie ich, das wurde mir bewusst, als ich zwischen durch mal kurz in Berlin war. Quasi hin und zwei Wochen später wieder weg. Wegen der Quarantäne verbrachte ich die zwei Wochen zuhause. Während ich in Portugal fast alles neben meiner Arbeit machen konnte, musste ich in Berlin die Zeit in meiner Wohnung verbringen. Ich war da alleine und entdeckte plötzlich die schönsten Ecken in meiner Wohnung, die mir so vorher nie aufgefallen sind.“ Diesen Moment, dieses andere Leben in Portugal zwischen Meer und Arbeit, das Aushalten in der eigenen Wohnung und alle Kontraste dazwischen will diese Reihe einfangen und ausdrücken. Neben den Fotos entstand zu der Reihe auch ein Gedicht, dass wir in gekürzter Form wiedergeben.

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der ozean war weit
und unendlich
die menschheit kam
und die welt verbrennt sich

die fische waren viel
und endlich
die menschheit kam
und fischte unverständlich

korallen und riffs
sind unzertrennlich
die menschheit kam
und diese zwei trenn‘ sich

das plastik im meer
scheint unbändig
die menschheit kam
und es blieb beständig


text by Yannic Pöpperling
015 yannic poepperling gonefishing

neulich habe ich gelesen
wenn wir jetzt
die geschützten meeresregionen
auf 35% weltweit anheben
wäre es möglich
dass sich der ozean erholt
die artenvielfalt sich erholt
die korallenriffe sich erholen
die fischbestände sich erholen
es wird mehr kohlenstoff gespeichert

der klimawandel wird abgeschwächt

text by Yannic Pöpperling

klingt alles so einfach
denke ich
was muss ich tun
die anderen supporten damit die es tun
die message verbreiten
werbung machen
eintreten
spenden
dabei sein
ich bereite mich vor
ich bereite uns alle vor
auf das, was da kommt
umweltschutz
für alle
von allen
wenn regierungen
nationale interessen
gegen globale interessen
tauschen würden
müssten wir hier
keinen nachruf auf den ozean schreiben

text by Yannic Pöpperling

was nun ?
drehen wir uns doch mal wieder im kreis
immer wenn es heißt
wenn wir jetzt …
denke ich
macht es das für leute gleich
unattraktiv
es gibt kein wenn
ohne anfang
und der is gemacht
du musst nur einsteigenähnlich wie in deinen suv
selbes prinzip
nur diesmal steigst du in was ein
was nicht völlig umsonst verschwendete
ressourcen und energie ist

text by Yannic Pöpperling

I call for you
how beautiful and tall you were
how blue, how deep
how mysterious
my children
will no longer see you like this
never experience the same diversity
unlucky
nothing good
the last of them
how do we stand
so without any bones

text by Yannic Pöpperling
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Alle Fotografien © Yannic Pöpperling „GONE FISHING“ 2020

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Autor:innen

Tilmann Schanze
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War bis 2022 Redakteur bei DIEVERPEILTE. Hat Brandmanagement im Master
studiert. Seine Themenschwerpunkte sind Gesellschaftpolitik, Kultur- und
Arbeitsthemen.

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