Worüber bezieht ihr eigentlich eure Nachrichten? Kauft ihr euch eine Zeitung oder habt ein Abo für die elektronischen Inhalte? Bekommt ihr über Apps Push-Mitteilungen, die euch über die wichtigsten Geschehnisse informieren? Oder seid ihr wie ich und nutzt zumindest für einen groben Überblick, die Sozialen Medien? Immerhin finden sich ein Großteil der etablierten Medien auf Instagram und Co. wieder und veröffentlichen dort ihre Meldungen. Auch viele bekannte Journalist:innen sind mit reichweitenstarken Accounts vertreten und informieren dort über ihr aktuellsten Projekte. Und wir erfahren durch Instagram davon. Aber nicht nur bekannte Medienschaffende verbreiten ihre Nachrichten im World Wide Web. Jede:r kann Medieninhalte produzieren. Und das ist nicht unbedingt von Vorteil.

Die Sozialen Medien sind für uns Fluch und Segen zugleich!

Theoretisch haben wir heutzutage alle die Möglichkeit, Content zu produzieren – und zu konsumieren. Wir scrollen durch die Tiefen des Internets und finden zahlreiche Artikel, Videos oder Share-Pics, die wir ohne irgendetwas zu zahlen, ansehen, kommentieren und teilen können. Die wenigstens erhalten ihre Nachrichten noch über Print-Zeitungen. Das zeigt sich auch in der Auflagenstärke deutscher Tageszeitungen, die in den letzten Jahren immer weiter gesunken ist. Schnell und vor allem kostenlose (außer natürlich, dass wir alle fleißig mit unseren Daten bezahlen) News bekommen, lautet nun die Devise.

Für mich ist Social Media, hauptsächlich Instagram, immer eine Doppelbelastung: einmal als Rezipientin, aber eben auch als Kommunikatorin. Was sind aktuelle Themen? Worüber redet das Netz gerade? Was interessiert die Community? Wie schaffe ich es, dass letztendlich mein Beitrag geklickt wird, anstatt der von Millionen weiteren Creator:innen? Ohne dabei schlussendlich an Qualität einzubüßen, versteht sich. Da spielt vor allem die veränderte Dynamik in den sozialen Medien eine riesige Rolle – und der Druck erhöht sich nur noch mehr. Wenn Journalist:innen vor dem Internet ihre Nachrichten mit der Öffentlichkeit teilten, bekamen sie wenig bis kein Feedback zurück. Sie suchten sich (mehr oder weniger selbstständig) ihre Themen, und erarbeiteten diese, wie sich es sich vorstellten. Die Entscheidung, welche Informationen in die Öffentlichkeit gelangen und welche nicht, lag ganz allein bei ihnen. Meinungen oder Anmerkungen der Konsument:innen wurden selten bis gar nicht gehört.

Das sieht heutzutage ganz anders aus: Durch Social Media wurde die Kommunikationsdynamik partizipativer. Die Medien-Konsument:innen können ihr Feedback direkt weitergeben und dadurch die digitalen Inhalte selbst mitgehalten. Durch Likes, Nachrichten und Kommentare können sie nun kundtun, welche Themen sie interessieren oder was ihre Meinung zu allen möglichen Dingen ist. Ob sie danach gefragt werden, spielt absolut keine Rolle mehr.

Ich, sowie viele andere Creator:innen, beobachte dieses Konsumverhalten. Das muss ich auch, denn passt man sich nicht an, wandert die Community ab zum nächsten Instagram-Kanal. Die Auswahl ist groß, warum also bleiben?

Dieses Verhalten beobachte ich aber nicht nur als Erstellerin von Medieninhalten bei der Community, sondern selbst regelmäßig bei mir als Nutzerin: ein Account auf Instagram postet nicht mehr so häufig oder bearbeitet Themen, die mich nicht so stark interessieren? Unfollow. Ich kann mir ja einfach etwas besseres suchen. Etwas Besseres, Schnelleres, Interessanteres.

Dadurch sind Plattformen wie Instagram und Facebook absolute Stressfaktoren. Immer die neuesten Trends wissen. Das passende Format dazu finden. Im besten Fall sollte die Veröffentlichung ASAP passieren. Auch eine gewisse Reichweite sollte man haben. Oder aufbauen können. Immerhin sind Follower:innen wie Kund:innen zu sehen. Die Reichweite führt in den meisten Fällen zu neuen Jobs, die wiederum neues Geld bringen. Ihr seht, man muss ganz schön viel bedenken und beachten – ohne die Sicherheit zu haben, dass es sich am Ende auszahlt.

Durch den zeitlichen Druck büßt schnell die Qualität ein. Eine Quelle wird nicht so intensiv gecheckt. Man verlässt sich darauf, dass es stimmen wird. Share-Pics auf Instagram werden als Zusatz-Info in der Story geteilt. Immerhin hat der Post zwei Millionen Likes, da kann das ja eigentlich nicht falsch sein. Das eine Mal weniger Gegenchecken wird ja nicht so dramatisch sein. Hoffen wir. Ich will damit nicht sagen, dass per se falsche Informationen verbreitet werden. Ich möchte nicht mal behaupten, dass das überhaupt passiert. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, durch das Einsparen unterschiedlicher Ressourcen nur erhöht. Zeit, Geld, Personal: Irgendwas fehlt immer.

Ich weiß, Meckern ist immer einfach(er). Aber gibt es überhaupt eine Lösung für das Dilemma?

Ich würde mich mal so weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass es für alles Lösungen gibt. Ob diese von allen so akzeptiert werden, ist die nächste Frage. In dem Fall liegt der Ball zunächst bei den Rezipient:innen. Sie können nicht nur mitentscheiden, welche Themen recherchiert und aufgearbeitet werden, sondern auch maßgeblich die Qualität beeinflussen. Sei es durch digitale Wertschätzung, wie Likes, Kommentare und Shares oder aber indem sie für den Content, den sie konsumieren bezahlen. Das bezieht sich vor allem auf die Konsument:innen, die die finanziellen Mittel übrig hätten, denn nicht jede:r kann es sich leisten für Medieninhalte zu bezahlen. Im Gegenzug müssen die Kommunikator:innen dann aber den Ansprüchen der Community gerecht werden. Mehr Zeit in die Recherche und das Factchecking investieren. Bei der Themenauswahl einen Blick in die Community werfen. Ein Geben und Nehmen.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

Illustration: Eunice

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One Comment on “Haben Journalismus und Social Media eine gemeinsame Zukunft?”

  1. Moin Anne,
    Super Beitrag, wirklich. Nur mir fehlt eine Antwort, klar du hast am Ende über Lösungen gesprochen, jedoch fehlt mir deine Antwort, persönlich oder objektiv, zu der großen Frage, die zu Beginn gestellt wurde und welche die Überschrift des Artikels trägt.
    Grüße Olson!!

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