Ich glaube, fast jeder hat heutzutage schon mal etwas von CBD gehört. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol und ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid. Oder einfacher: Sieht aus wie Gras, riecht wie Gras, aber wirkt nicht berauschend wie Gras! Es werden ihm krampf- und schmerzlösende Effekte nachgesagt und es soll ebenfalls bei Ängsten und starken Grübeln helfen. Heutzutage bekommt man es in allen Farben und Formen – als Öl, Blüten, Tees, in Kosmetika, und und und. 

Ich kämpfe schon länger, aber vor allem zur Zeit, mit meinen Ängsten und Sorgen. Oftmals habe ich das Gefühl, dass ich meinen Kopf nicht ausschalten kann und stürze mich in Gedankenstrudel, welchen ich mich nicht mehr entziehen kann. Aus diesem Grund entschloss ich mich dazu, mal wieder bei Tom Hemps zu bestellen. CBD hatte mir schon vor einem Jahr sehr gut geholfen, mit diesen Gedanken fertig zu werden. Tom Hemps war der erste CBD Shop in Berlin-Kreuzberg und begann 2016 erste Produkte auf den Markt zu bringen. Von Blüten mit coolen Namen wie Alien Haze bis hin zu CBD-haltigen Körperölen oder Badebomben. Bei Tom Hemps wird jede:r fündig!

Nachdem ich also meinen Warenkorb mit allerlei Produkten gefüllt habe, wartete ich darauf, dass sich ein:e Mitarbeiter:in bei mir meldet, um mir Bescheid zu geben, wann ich meine Bestellung abholen kann. Ich muss mir ja nichts innerhalb von Berlin schicken lassen, dachte ich mir. Es meldete sich allerdings niemand, also rief ich an, um nachzufragen. Was ich dann erfuhr, machte mich sprachlos. Am 03. November führte die Polizei wieder eine Razzia durch. Wieso wieder? Tja, weil das die fünfte Razzia innerhalb eines Jahres war. Ja, richtig gelesen, die Fünfte! Die Erste der 5-er Reihe fand im November 2019 statt. Darauf folgten drei Weitere im Mai und nun auch im November 2020.

Deborah Reich, CEO von Tom Hemps, und ich sind uns einig: Das braucht mehr Aufmerksamkeit! Denn es wissen nicht genug Leute, dass CBD-Stores häufig von der Polizei heimgesucht werden. Bei dem aktuellsten Besuch der Polizist:innen wurden nicht nur die Verkaufs- und Büroräume durchsucht, sondern auch Deborahs Privatwohnung gestürmt. Was hier angemerkt werden sollte, ist, dass der Hausmeister angeboten hatte, dass er die Wohnungstür auch aufschließen könne, allerdings entschieden sich die Beamten:innen dafür, die Tür lieber einzutreten. Aggressiv waren die Polizist:innen zwar nicht, „sie haben allerdings keine Einsicht gezeigt und waren sehr provokant. Man hatte auch das Gefühl bekommen, dass sie sich gar nicht mit dem Thema auskennen“, wie sie berichtet. 

Insgesamt beschlagnahmte die Beamten Ware im Wert von über 400.000 Euro und Verpackungsmaterial von 35.000 Euro. Auch Computer und Kassen nahmen sie mit und den Mitarbeiter:innen wurde es untersagt, einen Anwalt zu kontaktieren. „Sie stellten sogar Produkte sicher, die unumstritten legal sind, sowie CBD Öle, Kosmetik, Hundefutter mit CBD, Hanflebensmittel und viele mehr.“, erzählt Deborah. Die Antwort auf die Frage, auf welcher rechtlichen Grundlage der Einsatz basiert, hört sich an wie ein schlechter Witz. „Das ist immer derselbe Vorwurf. Den CBD Shops wird unterstellt, mit Betäubungsmitteln zu handeln.“, erklärt sie. “Wir wurden behandelt wie Schwerkriminelle”, ergänzt Deborah und weiß, dass solche Razzien auch einen erheblichen Image-Schaden mit sich ziehen. Es vermittelt Außenstehenden einfach kein gutes Bild, wenn sie durch den Kiez spazieren und auf einmal sehen, dass die Polizei den ganzen Laden auseinander nimmt. 

Leider ist das kein Einzelfall. Dadurch, dass die meisten Shops gerade erst entstehen und Tom Hemps der erste Store ist, trifft es sie häufiger. Laut Deborah ist das „auf jeden Fall auch ein Problem von Deutschland. Kollegen in Nachbarländern berichten nicht von solchen Fällen“ und das, obwohl die Grenzwerte in Deutschlands Nachbarländern sogar höher sind! In Österreich zum Beispiel darf ein THC-Wert von <0,3 Prozent vorhanden sein, in der Schweiz sogar 1 Prozent, wohingegen Deutschland maximal 0,2 Prozent zulässt. Auch wenn man von ihnen nicht high werden kann, passiert es häufig, dass CBD Produkte mit berauschenden Drogen gleichgesetzt werden. Zumindest hier in Deutschland.

“Es ist so surreal, erst redest du noch mit Kunden aus Paris und am nächsten Tag werden sowohl deine Geschäfts- als auch Privaträume gestürmt und Türen eingetreten.”, sagt Deborah. Was hier oftmals vergessen wird: Das sind alles ganz normale Unternehmen mit denselben Strukturen wie überall sonst. Es geht hier um die Arbeit von zahlreichen Menschen und nicht um irgendwelche illegalen Aktivitäten. Hier hängen Existenzen dran. Drei Mitarbeiter:innen mussten schon entlassen werden, weil zu starke Einbußen gemacht wurden. Vor allem in schwierigen Zeiten der Pandemie treffen solche Razzien noch härter als sowieso schon. 

Vor Kurzem öffneten die Tom Hemps Shops wieder ihre Pforten. Ich fragte Deborah, ob das bedeutet, dass sie alles von der Polizei wieder bekommen haben. Es kamen keine Produkte zurück, auch nicht von den anderen Durchsuchungen. Sie erklärt mir auch, dass selbst wenn sie es irgendwann mal zurückkriegen würden, die meisten Artikel nicht mehr verkauft werden könnten, da sie entweder geöffnet oder über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wären. Ich bin wirklich sprachlos. Wie kann es sein, dass Produkte, welche nicht gegen das Gesetz verstoßen, beschlagnahmt werden und die Betroffenen nichts wiedererhalten und auch nicht entschädigt werden? Es mussten alle Produkte neu eingekauft werden, sonst hätten sie die Läden weiterhin geschlossen lassen müssen. 

Es ist mir ein Rätsel, wie 2020 immer noch mit solcher Härte gegen den Verkauf von legalen CBD-Produkten vorgegangen wird. Die Vorteile von CBD und das damit verbundene Business könnten viele Möglichkeiten erlauben, über welche kaum gesprochen wird. Das Geld, was in Razzien gesteckt wird, ist in der Aufklärung besser aufgehoben. Denn für viele Leute sind CBD Produkte der Weg aus der Illegalität – wie mir Deborah bestätigt: “Menschen, die CBD Produkte kaufen, möchten eben keine psychoaktive Wirkung verspüren. Viele Kunden berichten, dass illegales Cannabis von der Straße teilweise sehr extreme und unangenehme Effekte hervorruft. Man hört ja sehr oft in den Medien von gestrecktem Cannabis, was eine Gefahr darstellt. CBD Produkte könnten dabei helfen, den Schwarzmarkt zu bekämpfen.” Anstatt dass also der Verkauf von legalen, nicht berauschenden und vor allem kontrollierten Produkten unterstützt wird, kämpft Deutschland dagegen an. Zumindest, wenn es um reine CBD Shops geht. Ich habe noch nie von Fahndungsaktionen in Reformhäusern gehört, obwohl hier ebenfalls Öle, Blüten und Kosmetika verkauft werden. “Nur, weil die nicht ‘Gelato 361’ oder ähnlich heißen, sind es trotzdem Blüten!”, sagt Deborah dazu. Und damit hat sie recht! Es kommt das Gefühl aus, dass explizit nur gegen CBD Shops vorgegangen wird. 

Auf meine Frage, was sie glaubt, wie es weitergehen wird, antwortete Deborah, dass sie einfach hofft, dass so etwas nicht noch mal passiert. Die Hoffnung stirbt ja bekannterweise zuletzt und so bleibt es abzuwarten, ob das ach so fortschrittliche Deutschland sich weiterentwickeln wird – was längst überfällig ist!

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