“Wenn wir keinen Planeten haben, geht es der Wirtschaft nicht gut.” – Al Gore.

Wenn ich an den Begriff “Klimawandel” denke, ist das erste Bild, das mir in den Kopf schießt: Greta Thunberg und Fridays for Future. Gleich darauf folgen die Bilder, die den Sommer 2021 geprägt haben:
Bilder von hektargroßen Waldbränden, die durch die sozialen Netzwerke kursierten. Erdbeben, die Teile unserer Welt erschütterten und Tausenden von Menschen das Leben oder ihre Existenz kosteten.

Häuser und ganze Gemeinden, die in weiten Teilen von Europa nach wochenlangen Niederschlagsperioden unter Wasser standen. Der Weltklimabericht, der am 09.08.2021 veröffentlicht wurde und bekannt gab, dass 2050 bereits der globale Temperaturanstieg von 2 °C erreicht wird, weswegen der Klimarat IPCC das Ende jeglicher fossiler Energie forderte, bevor diese die Welt wortwörtlich in Schutt und Asche verwandeln.

Doch was bedeutet das eigentlich politisch gesehen? Häufig wird der Klimawandel als ein von der Politik losgelöstes Problem angesehen. Dass dieser allerdings auch ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt, wird oftmals außer Acht gelassen, oder schlicht vergessen. Denn auch, wenn der Klimawandel selbst noch als ein geringer Konfliktfaktor für einen bewaffneten Konflikt gilt, gelten seine Folgen bereits als ein hoher Konfliktfaktor.

Grundsätzlich lässt sich zwischen zwei verschieden Typen der Klimafolgen unterscheiden: Zum einen gibt es langfristige Veränderungen, wie den Anstieg der globalen Erwärmung, Niederschlagsraten und der Anstieg des Meeresspiegels, der durch das Schmelzen von Gletschern verursacht wird.
Bei dem zweiten Faktor handelt es sich um die Extremwetterereignisse, wie wir sie in diesem Sommer hautnah miterleben mussten. Es kommt zu Dürren, Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen, Erdbeben und Waldbrände.

Was beide Typen miteinander verbindet, sind ihre Auswirkungen auf die Umwelt, die zu einer Zerstörung des natürlichen Ökosystems führen. Eine der vielen Folgen, die auf die Zerstörung des Ökosystems zurückzuführen ist, ist die dadurch entstehende Verknappung von natürlichen Ressourcen, was wiederum die Frage nach Frieden, Krieg und Sicherheit aufwirft. Denn bereits in den Regionen, die am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, führen Extremwetterereignisse wie Dürren und Wassermangel zu einem Ausbleiben der Ernte, dem Sterben von Nutztieren und dem zur Folge zu einer Lebensmittelknappheit. Die Lebensmittelknappheit sowie der Trinkwassermangel kurbeln wiederum die Lebensmittelpreise an und dieser Teufelskreis ist damit verantwortlich für die immer anwachsende soziale Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft.

Dieses Phänomen lässt sich auch gut am Beispiel von Syrien beobachten, in der die steigende Ungleichheit die Lebensgrundlage für hundert Millionen von Menschen beeinträchtigt, die damit an ihr Existenzminimum gebracht werden. Die dadurch schon entstandene und auch weiterhin wachsende Ungleichheit, die Hand in Hand mit Spannungen und Aufständen einhergeht, führt zu einem hohen innerstaatlichen, aber auch globalen Stressfaktor.

Allerdings ist es mir am Beispiel von Syrien wichtig anzumerken, dass der Klimawandel selbst nicht als der Auslöser des Krieges gilt, dieser ist viel eher auf die Assad-Regierung zurückzuführen.

Laut der Syrienexpertin De Chatel, ist es nicht nur falsch die Klimabedingungen zu den Gründen für die wachsende Ungleichheit zu erklären, sondern sogar gefährlich, da das der Regierung ermöglicht, alle Schuld von sich zu weisen und die Gründe für die prekäre Situation im Außen zu suchen.
Viel eher sollte Syrien als ein Beispiel dafür gesehen werden, dass eine Anpassung an die Folgen und Auswirkungen des Klimawandels nur möglich ist, wenn die innerstaatlichen, sozialen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen dafür gegeben sind.

Ein weiterer Punkt, der vor allem in naher Zukunft immer wichtiger wird und die Welt vor neue Herausforderungen stellen wird, ist die wachsende Anzahl der durch den Klimawandel betroffenen Migrant:innen. Diese wird bislang pro Jahr auf 20. Millionen Menschen geschätzt. (Vgl. Schröder et al. 2020: 34) Daher ist es nicht außer Acht zu lassen, dass sich die Klimafolgen und Gewaltkonflikte gegenseitig verstärken und sich dadurch eine Abwärtsspirale abzeichnen lässt, in der sich der wirtschaftliche Niedergang, soziale Erosionen, Gewalt und politisches Versagen gegenseitig aufschaukeln und verdichten.

Die Frage ist daher nicht, ob der Klimawandel als Sicherheitsrisiko gilt, sondern wie sich ein zukünftiger Frieden im Klimawandel gewährleisten lässt.

Wie der IPCC schon klargemacht hat, ist der wohl wichtigste Punkt im Kampf gegen den Klimawandel die weltweite, bis Mitte des Jahrhunderts eintreffende Nullsetzung des Treibhausgasausstoßes.
Doch auch diese Maßnahme zur Erreichung der Klimaziele stellt die Gesellschaft bereits weltweit vor eine Herausforderung. Denn da nicht alle Regionen auf dieselbe Art und Weise von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, braucht es eine politische und soziale Transformation, welche die unterschiedlichen Rollen der Verursacher:innen und der Benachteiligten berücksichtigt.

Um die möglichen Herausforderungen, die durch eine Entwicklungszusammenarbeit entstehen könnten, und mögliche Widerstände zu verhindern, muss eine zivile Klimapolitik mit diplomatischen und krisenpräventiven Maßnahmen geschaffen werden. Allerdings verlief dieser Plan der Zusammenarbeit bisher eher mäßig, da sich der Trend beobachten lässt, dass es zu wenig Anreize für die Industriestaaten gibt, im Sinne der nachhaltigen Entwicklung zu handeln. Stattdessen wurde die Zusammenarbeit von Industrie- und Entwicklungsländern viel mehr als eine Art Schlupfloch der eigenen Verantwortung gesehen, indem die westlichen Länder die Entwicklungsländer zur Emissionsreduzierung drängen und somit selbst weniger einbüßen müssen.

Eine weitere Problematik in der Durchsetzung der friendsverträglichen Gestaltung stellen die vielen stets fragilen Staaten dar, die erst dann die Klimaziele erreichen können, wenn sich ihren Staaten stabilisieren und die Kapazität einer weiteren Herausforderung gegeben ist.

Daher ist es unabdingbar den Klimawandel als ein Sicherheitsrisiko anzuerkennen, ihn in die Politik einzubetten um dadurch auch neue Anreize zu schaffen dagegen vorzugehen. Im weiteren Schritt muss die Umweltschutzkritik auch als eine Kapitalismuskritik angesehen werden, um die sozioökonomischen Ungleichheiten einzudämmen und nicht weiter anzuschüren.

Denn genau durch diese Folgen des Klimawandels stellt dieser einen hohen internationalen Konfliktfaktor für bewaffnete Konflikte dar.

Und die gilt es doch im Interesse aller zu vermeiden oder etwa nicht?

Illustration: Christina

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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One Comment on “Gefährdet der Klimawandel eigentlich den globalen Frieden?”

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