»Derbe Karre. Auf Insta. Mercedes? Voll nice..« »Wo bist du auf dem Selfie? Malediven?« »Und was studierst du?«
Gerade? Ganz ehrlich? Dich..!

Spreche ich natürlich nicht laut aus. Natürlich. Nicht.

Ist es von Vorteil white lies zu benutzen, die sich wie Spinnennetze oberflächlich über unsere Kommunikation legen, um eine angestrebte Persona unseres Selbst zu kreieren?

Oder werden sie nur benutzt, um sich und die persönlichen Interessen zu schützen?
Und weil es als sozial angesehen wird, nicht allen die eigene Meinung aufzudrücken..?
In einer Gesellschaft, die sich irgendwie aus Schablonenmenschen zusammenzusetzen scheint.

Denken alle, dass die anderen die Dümmeren sind? Oder impliziere ich das nur?

Denke ich, dass die Schablonenmenschen die anderen sind? Oder bin ich eine:r davon..?

Von Studierten und Nichtstudierten spreche ich nicht.
Eher von Bewussten und Unbewussten.. Phasen. Durch die jede:r von uns geht. Täglich.

Wir, die nicht unbedingt immer auf die Idee kommen, warum uns bestimmte Sachen so sehr triggern. Bis das Toleranz-Fass voll ist. Politisch. Menschlich.
Das System ist geprägt. Von Wut. Warum so viel Wut?

Ist es Absicht, einen Menschen als ein Jemand oder ein Nichts zu deklarieren? Beziehungsweise Minderheiten als Minderheiten zu kategorisieren, weil gängige Erwartungen nicht erfüllt werden. Der Mechanismus erfolgt gesteuert durchs Ego. Meist unbewusst. Vielleicht durch vorangegangene Konditionierung oder medialen Input.

In der Zukunft wird es einen Punkt geben, an dem das Wort Minderheiten seine Gültigkeit verloren hat. Davon bin ich überzeugt. Es wird keine Ewigkeit mehr dauern. Da das Weltgeschehen nach evolutionärer Bewusstseinsbesinnung schreit.

Ob es nun um sogenannte Randgruppen der Bevölkerung geht oder darum, wie Leute ihren Lebensunterhalt verdienen. Sobald uns Informationen über andere Personen erreichen, geht die eine oder andere Schublade auf. Das ist in vielen Fällen nicht mal abwertend gemeint, weil es so nebenbei geschieht. Und doch macht es was mit uns.

Es wäre anders, wenn es keine gelabelten Angehörig:innen unserer Gesellschaft mehr gibt. Wenn Vorurteile als solche von selbst erkannt werden würden.
Dafür benötigt es bereits eine Sensibilisierung in der Kindheit.

Geht es so weiter, wie jetzt, wird sich im Jahre 2057 jede:r mit dem QVC-Set am Staubsauger die Locken kürzen. Weil es nicht sophisticated genug und zudem unterbezahlt ist, dem Friseurhandwerk nachzugehen.

Dass die Metzger:innen dieses Planeten dezimiert werden, weil ein Umdenken in die Tat umgesetzt wird, scheint absehbar.

Aber mhh, Florist:innen zum Beispiel.. Werden wir zukünftig mit maschinell gebundenen Brautsträußen in der Hand vor den Altar treten?

Oder die komplette Maurerkaste.. Wenn die ausgerottet ist, weil sich in allen Brillen Bildschirme spiegeln. Leben wir dadurch bedingt irgendwann in Hightech-Zelten? Nur mal so..

Schuhmacher:innen! Die abgefahrene Schuhmacherkunst, die würde doch fehlen. Oder gehen dann alle Geschäftsleute in Flipflops ins Büro?
Rein faktisch. Ich sag ja nur..

Die Künstler:innen? Wie sammeln die ihre Sozialtabellen-Punkte, mit denen sich zukünftig in Gesellschaften etabliert werden muss? In der monatlich online veröffentlichten Wie-wertvoll-bist- du-Bewertungskurve? Desto mehr Kunst, je besser..?
Es ist zum am Kopf kratzen..

Leut:innen, die in medizinischen Jobs arbeiten. In der Pflege. Weil sie den Entschluss fassten, Menschen helfen zu wollen, finden sich nun in der Position wieder, durch Stress und Hierarchien abgewertet zu sein. Trotz Personalmangel nicht angemessen bezahlt zu werden. Sie werden angepöbelt. Von wartenden Patient:innen. Weil die Wartezeiten zu lang seien. Warum sind die Wartezeiten so lang?

Weil irrsinnig viele Menschen Bedarf haben. Bedarf an medizinischer Versorgung. Physisch wie psychisch. Doch es besteht Personalmangel! Deshalb wird das Personal, welches nicht selbst krank oder im Burn Out ist, angemacht. Von Patient:innen. Weil bestimmte Entscheidungsträger:innen bis jetzt versagt haben.

Der Hund. Beißt sich. In seinen fucking. SCHWANZ!!! Doch nützt hier Wut? Wohl eher Weitsicht..

»Studieren.. muss ich unbedingt mal machen..«, würde ein Schulfreund von mir sagen.
Muss er das? Wenn er es leidenschaftslos tun würde, doch der Lebenslauf und die Geldbörse dadurch irgendwie fluffiger aussehen?

Ein Studium, ein teures Auto, das veröffentlichte Pic vom Luxusurlaub aus Überzeugung zur Sache, weil es das eigene Sein ergänzt, ist fantastisch. Leute, die Leute nicht labeln auch. Das meine ich so. In die eine wie in die andere Richtung.

Für diese Entwicklung braucht es Innovation. Wann wird Empathie endlich ein Schulfach?

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.
Illustration: Jens Feddersen

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