Heute ist Heiligabend. Fraglichen Berichten zufolge, wurde heute vor tausenden von Jahren das Jesus-Kind geboren. Ein Anlass, mal über das eigentliche Wunder zu sprechen. Das Wunder der Natur: die Geburt eines menschlichen Wesens.

Häufig geschieht eine Verschleierung der Realität, wenn Mütter von ihren Geburtserfahrungen sprechen. Ein Narrativ, welches häufig verwendet wird, ist, dass all der Schmerz vergessen sei, sobald das Baby auf der eigenen Brust liegt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Hormone, die eine Frau dann überkommen, alle Negativität verschwinden und allen Schmerz vergessen lassen. Wenn ich als junge Frau und Nicht-Mutter allerdings erfrage, wie es denn so ist, zu gebären, reicht mir diese Schilderung nicht aus. Andere Erzählungen, die ich schon oft gehört habe, lassen in mir Bilder eines Horrorszenarios entstehen. Ich bekomme dann riesige Augen und Angst und Abneigung durchströmen meinen Körper. Ich frage mich: Kann das denn wirklich so schlimm sein, wenn so viele Frauen es durchlebt haben? Was meine Menstruation betrifft, habe ich selbst erfahren, dass die Schmerzen und das Unwohlsein gar nicht so schlimm werden, wenn ich meine Einstellung dazu ändere. Kann es sein, dass in unserer Kultur ein Defizit herrscht, wenn es um einen natürlichen und entspannten Umgang mit dem Thema Geburt geht?

Ich habe mich mit meiner Freundin Julia Pratz zusammengesetzt, um mit ihr über dieses Thema zu sprechen. Julia ist in den letzten Zügen ihrer Ausbildung zur Hebamme und kann mir eine realistische Vorstellung dieses Phänomens vermitteln. Das Erste, was ich feststellen muss: Ein Phänomen ist es wohl eher nicht. Über sieben Milliarden Menschen leben auf dieser Erde. Und wie sie hierher gekommen sind, muss ich wohl nicht detailliert ausführen. Wobei eigentlich doch, denn die gängige scherzhafte Erzählung der Bienchen und Blümchen verschleiert auch, was tatsächlich passiert.

Aus diesem Grund, wollen Julia als Hebamme und ich als kritische Journalistin ein bestimmtes Ziel verfolgen: Die Erschaffung einer realistischen Perspektive auf Geburten, um sie als etwas Natürliches und Positives darzustellen, sodass Frauen keine Angst mehr davor haben.

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FOTO: MAGDALENA LI

DIEVERPEILTE: Wieso wolltest du denn eigentlich Hebamme werden?
Julia Pratz:
Als ich elf war, bekam meine Nachbarin ein Kind. Ich war oft bei ihr und habe die Schwangerschaft ihres zweiten Kindes mitbekommen. Es hatte mich damals sehr fasziniert, also beschloss ich, dass ich Hebamme werden möchte. Meine Eltern meinten allerdings immer, ich müsste irgendetwas studieren. Nach meinem FSJ in Peru, als ich mir überlegen musste, was ich nun tun wollte, versuchte ich dann erst, einen Platz für ein Psychologiestudium zu bekommen. Als das leider nicht klappte, ist mir mein Berufswunsch von damals wieder eingefallen. Also machte ich ein dreimonatiges Praktikum bei einer Hebamme in Freiburg und wusste dann: Das ist der Beruf, den ich machen möchte!

Wie findest du denn solche Aussage von Müttern, dass all der Schmerz vergessen sei, sobald das Kind auf der eigenen Brust liegt?
So eine Erzählung sagt aus, dass es egal wäre, was bei einer Geburt mit deinem Körper und mit deiner Psyche passiert. Was zählt, ist, dass du dein Baby hast. Punk. Aber eine Geburt ist nicht egal. Es ist nicht egal, wie wir gebären und geboren werden. Das kann für eine Frau total bestärkend sein, aber eben auch das komplette Gegenteil. Der Körper sorgt natürlich dafür, dass Frau den akuten Schmerz vergisst, insofern ist die Erzählung nicht falsch. Wenn der Umgang mit dem eigenen Körper und mit den Schmerzen jedoch ein negativer oder verdrängender ist, kann das auch traumatische Folgen haben.

Was sagst du zu den Horrorszenarien, von denen manche Frauen berichten?
Naja, manche Sachen gehören nun mal dazu. Dass der Damm beispielsweise reißt, kann passieren, weil es eine Sollbruchstelle des weiblichen Körpers ist. Es passiert aber nicht zwangsläufig. Eine Frau spürt es allerdings gar nicht, wenn es passiert. Auch, dass Kot ausgeschieden wird, kann vorkommen, muss aber auch nicht unbedingt sein. Der Körper richtet es eigentlich schon so ein, dass der Enddarm vorher geleert wird. Ich glaube, manche Frauen nehmen es als Horror wahr, wenn sie mit ihrem eigenen Körper nicht ganz im Reinen sind. Was da im Vordergrund steht, ist die Scham für den eigenen Körper. Das ist ok, weil viele Frauen es ja genau so gelernt haben. Hebammen sind täglich bei Geburten dabei, für uns ist es also wirklich das Normalste auf der Welt. Es gehört halt dazu, wie pinkeln.

Welche Erzählweisen würdest du dir also stattdessen wünschen?
Wie bei so vielen Themen, die mit dem Körper zu tun haben, wünsche ich mir, dass es als normal anerkannt wird. Nichts an deinem Körper ist ekelig und muss mit Scham behaftet sein. Eine Geburt auch nicht. Es wird meistens aber nicht so dargestellt. Ich wünsche mir daher eine bessere Aufklärung, die Frauen vermittelt, dass ihr nichts daran peinlich und unangenehm sein muss.

Nochmal kurz zurück zum Thema Kot: Wie gehst du damit um, wenn Frauen beim Gebären kacken?
Hebammen ist das echt egal. Das wird direkt weggemacht und dann ist es gut. Bei einer Geburt treten sehr viele Körperflüssigkeiten aus, aber Hebammen arbeiten hygienisch. Wir benutzen Unterlagen und die werden regelmäßig gewechselt. Die Vorstellung eines riesigen Schlachtfeldes ist also einfach nicht korrekt.

Erklär mir das mit dem Dammriss doch mal genauer. Ich habe gelesen, dass es die Stufen 1 bis 4 gibt.
Ja genau. Wie gesagt, muss der Damm nicht zwangsläufig reißen. Wenn es passiert, ist es meistens ein Riss der Stufen 1 oder 2. Dabei reißt nur die Haut und das Bindegewebe. Es sind also keine Muskeln betroffen, die auch beim Stuhlgang benötigt werden. Dass diese Muskeln mit reißen, ist mega selten. Und dass Frauen inkontinent werden oder Ähnliches, habe ich noch nie erlebt.

Und kann was schief gehen, wenn der Damm wieder zugenäht wird?
Theoretisch könnte es passieren, dass Ärzt*innen den Scheideneingang aus Versehen mit zunähen. Aber das kommt eigentlich nicht vor. Ich habe auch das noch nie erlebt. An der Stelle verlaufen außerdem super viele Nervenbahnen, was dazu führt, dass die Wunde ziemlich schnell verheilt.

Erzählt wird auch von ewig langen Geburten, bei denen Frauen 50 Stunden lang Wehen ertragen mussten – die Vorstellung ist ja wirklich alles andere als rosig. Ist dies eine realistische Befürchtung?
Ich kann dir erklären, wie diese Erzählweise zustande kommt: fehlende Aufklärung. Es werden verschiedene Geburtsphasen durchlaufen. Es gibt eine frühe und eine aktive Phase und final die sogenannte Durchtrittsperiode. In der frühen Phase haben Frauen schon leichte Wehen, die aber immer wieder einschlafen. In dieser Phase bereitet sich der Körper vor, aber es ist noch nicht so weit, dass es den Körper der Frau komplett einnimmt. Als normale Dauer für diese Phase gelten wohl 18 Stunden, aber das lässt sich eigentlich nicht festlegen. Die Phase kann auch über zwei Tage andauern. Die Frau hat dann immer mal wieder Wehen, die aber wieder weggehen. Das ist es, was Frauen manchmal als ewig lange Geburt empfinden. Von starken Wehen lässt sich aber erst sprechen, wenn sie alle drei bis vier Minuten kommen, wenn der Muttermund also aktiv geöffnet ist. Bis vor einigen Jahrzehnten haben Frauen während der frühen Phase noch gearbeitet, gekocht und was sie sonst im Alltag getan haben. Ich weiß von einer Hebamme, die mit den Frauen in dieser Phase immer ins Kino geht, damit sie abgelenkt sind. Das finde ich ziemlich witzig.

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FOTO: MAGDALENA LI

Also speilt die Psyche eine entscheidende Rolle dabei, wie angenehm oder unangenehm eine Geburt wahrgenommen wird?
Es ist meiner Ansicht nach sogar der größte Aspekt. Es gibt dazu auch Theorien. Zum Beispiel der Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf. Dieser besagt, dass je mehr Angst eine Frau hat, desto mehr Schmerzen wird sie haben. Bei einer Geburt ist das Glückshormon Endorphin ganz wichtig. Es hemmt die Schmerzen. Wenn der Körper im Panikmodus ist, schüttet er dieses aber nicht aus. Das Loslassen können ist einfach die größte Herausforderung. Frauen, die sehr verkopft sind und sehr wenig auf den eigenen Körper vertrauen können, haben es besonders schwer. Es passiert etwas im Körper, das sie nicht kennen. Der Umgang damit ist entscheidend.  Die Vagina ist ein großer und komplexer Muskel. Wenn dieser komplett angespannt ist, obwohl er sich eigentlich weiten soll, ist es nicht zielführend. Wenn die Frau nicht loslassen kann, dann passiert es, dass das Kind schwerer und langsamer auf die Welt kommt. In diesem Fall ist es natürlich gut, wenn krampflösende und schmerzreduzierende Mittel eingesetzt werden. Trotzdem wäre eine Aufklärung darüber, was mit dem eigenen Körper passiert, sehr gut.

Das Schmerzmittel wird in die Nähe des Rückenmarks gespritzt, soweit ich weiß. Das hört sich ja auch schon ziemlich brutal an.
Ja genau, das nennt man PDA. Eine Geburt ist allerdings ein Spiel aus Hormonen, das durch Schmerzmittel durcheinandergebracht wird. Es kann dann wiederum auch die Wehen hemmen, was dazu führt, dass Medikamente eingesetzt werden müssen, die die Wehen künstlich erzeugen. Frauen sollten vermittelt bekommen, dass sie mit ihren Wehen arbeiten können und nicht gegen die Schmerzen ankämpfen müssen. Wenn sie das vorher schon üben, dann geht das auch. Ich will aber auch nichts verteufeln. Bei sehr langen Geburten sind eine PDA oder andere Schmerzmittel auch durchaus von Vorteil. Es ist vollkommen legitim, wenn eine Frau ihre Schmerzen so reduzieren möchte. Und auch wenn Frauen Angst haben, ist es gut, diese Möglichkeit zu haben. Die Angst müsste nur einfach nicht so groß sein.

Das mit den Hormonen finde ich interessant. Kannst du dazu noch mehr erzählen?
Tatsächlich sind bei einer Geburt dieselben Hormone beteiligt wie beim Sex. Es wird besonders viel Oxytozin produziert. Das ist das Liebes- und Kuschelhormon. Und eben auch das Glückshormon Endorphin. Wenn sich eine Geburt also auf der biologischen Ebene mit Sex vergleichen lässt, macht es auch nur Sinn, dass eine ruhige Atmosphäre und ein eigener Raum benötigt wird.

In der Regel finden Geburten in Krankenhäusern statt. Ist das ein geeigneter Raum?
Dort ist eine angenehme Atmosphäre auf jeden Fall nicht gegeben. Ich finde es daher sehr schade. Das kommt eben auch dadurch zustande, dass eine Geburt nicht mehr als etwas Natürliches gesehen wird. Seit der schulmedizinischen Sicht fallen Geburten immer mehr in den Bereich der Ärzt*innen. Es wird als etwas Gefährliches angesehen und es wird versucht, möglichst viel Sicherheit durch medizinisches Fachwissen zu erzeugen. Das ist auch gut und wichtig bei Schwangerschaften, die nicht gesund verlaufen oder wenn das Kind nicht gesund ist. Aber für gesunde Schwangerschaften ist eine Geburt im Krankenhaus nicht nötig. Der Wohlfühlfaktor wird dort einfach nicht gegeben. Es ist auch meistens keine 1-zu-1-Betreuung möglich, wodurch sich das Risiko, dass etwas schief geht, erhöht, weil das Personal zu viel zu tun hat. Dass es als normal gilt, im Krankenhaus zu gebären, wird gesellschaftlich einfach falsch verbreitet.

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FOTO: MAGDALENA LI

Die Zahl der Kaiserschnitte ist in Deutschland sehr hoch. Alles soll nach Plan laufen. Was sagst du zu dieser Entwicklung?
Das ist gar nicht gut. Die empfohlene Kaiserschnittsrate liegt bei 10-15 Prozent. Derzeit liegt die Rate bei um die 30 Prozent. Das hängt auch wieder damit zusammen, dass nicht genug aufgeklärt wird und Frauen daher Angst vor der Geburt haben. Das Problem liegt oft bei den Ärzt*innen und Hebammen. Wenn ein Kind in Beckenendlage-Position ist, wenn der Po also unten liegt, können viele Ärzt*innen das nicht gut bewerkstelligen, weil sie keine Erfahrung haben. Mittlerweile ist es normal, dann einen Kaiserschnitt zu machen. Hinzu kommt, dass der Kaiserschnitt immer sicherer geworden ist und daher wirtschaftlich günstiger. Es lässt sich genau planen. Eine natürliche Geburt hingegen ist nicht berechenbar. Was oft verharmlost wird, ist, dass ein Kaiserschnitt Folgen für das Leben der Frau und das des Kindes hat. Kinder haben beispielsweise ein schlechteres Immunsystem oder ein erhöhtes Risiko für Asthma. Für eine Frau ist es nachteilig bei einer Folgeschwangerschaft, da das nächste Baby sich nicht so gut einnisten kann. Ich möchte klarstellen, dass Notfall-Kaiserschnitte gut und wichtig sind! Aber leider in vielen Situationen eigentlich unnötig. Es müsste besser abgewogen werde.

Viele Frauen haben auch Befürchtungen, dass ihre Vagina nach einer Geburt „ausgeleiert“ ist. Kann eine Vagina ausleiern?
Wie bereits erwähnt ist die Vagina ein Muskel. Und dieser bildet sich nach der Geburt wieder zurück. Die meisten Frauen haben nach zwei bis drei Monaten wieder Sex. Und die allermeisten Frauen bemerken nach sechs bis zwölf Monaten keinen Unterschied mehr zu vorher. Es hat sich also alles zurückgebildet und nichts wurde ausgeleiert.

Ich habe erst vor Kurzem erfahren, wie eine Nachgeburt eigentlich aussieht. Und ich war schockiert und fasziniert zugleich. Kannst du das genauer schildern?
Was daran zunächst erst mal krass ist: Es wächst einfach ein neues Organ im Körper der Frau. Die Plazenta. Sie wiegt ein Sechstel des Babys, also ungefähr 600 g und ist so groß wie eine ausgestreckte Hand. Sie ist bedeckt von einer schimmernden perlmuttartigen Schicht, die sie schützt. Die alternative Bezeichnung ‚Mutterkuchen‘ kommt vielleicht daher, dass sie rund ist wie ein Kuchen. Babys kuscheln im Bauch scheinbar sogar mit der Plazenta. An ihr sind Eihäute (das ist die Fruchtblase) und die Nabelschnur befestigt. Es lässt sich auch genau erkennen, wo die Fruchtblase gerissen ist. Das ist sehr interessant. Die Nabelschnur besteht aus spiralförmig angeordneten Gefäßen, was die Natur ziemlich schlau gemacht hat: Sie ist durch ihre Form super reißfest und außen herum hat sie eine Schutzschicht. Die Nabelschnur kann nicht abgedrückt werden und auch wenn sie sich um den Hals des Babys wickelt, ist es nicht so schlimm, weil sie total elastisch ist.

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FOTO: MAGDALENA LI

Ich habe eine Mutter mal gefragt, ob die Nachgeburt einfach so „rausploppt“. Sie fand meinen Ausdruck lustig, aber bejahte es. Kannst du das auch so bestätigen?
Die Plazenta besteht aus ganz weichem Gewebe, es tut daher nicht weh. Ein bisschen Energie müssen Frauen aber meistens schon aufwenden.

Fällt dir noch ein Mythos über Geburten ein, den du gerne klarstellen möchtest?
Ja! Die Position. Es wird vermittelt, dass eine Geburt in Rückenlage normal ist. Aber wenn du keinen Dammriss haben willst, dann wäre eine andere Positionen besser. Zum Beispiel im Vierfüßler-Stand, in einer aufrechten Position oder auf der Seite. Die Rückenlage ist tatsächlich die blödeste Position für die Frau und völlig unnatürlich. Das ist eher so eine ‚neue Erfindung‘, damit Ärzt*innen besser intervenieren können, wenn was schief geht. Ab dem 16. Jahrhundert übernahmen (damals ausschließlich männliche) Ärzte allmählich Geburten. Ich finde, jede Frau sollte wissen, dass sie immer noch am besten fühlt, was ihrem Körper guttut. Viele vertrauen stark auf die Anweisungen der Hebammen und Ärzt*innen. Aber der eigene Körper sagt dir, was am besten ist. Du musst nur lernen, darauf zu hören und auf ihn zu vertrauen.

Kannst du dich an Frauen erinnern, die tiefenentspannt waren? Wenn ja, wie war ihre Einstellung?
Ja voll. Ich denke da gerade an zwei bestimmte Frauen. Beide haben sich vorher intensiv mit ihrem Körper beschäftigt. Die eine verfolgte den Ansatz des Hypno-Birthing und die andere machte Schwangerschafts-Yoga. Hypno-Birthing ist vereinfacht gesagt eine Geburt unter Hypnose. Es wird dabei kein komplett abwesender Zustand erzeugt, sondern einfach viel mit Mantren gearbeitet. Manche hören auch Audios mit bestärkenden Sätzen. Es ist eine bestimmte Vorbereitungsweise. Kurse, die das so vermitteln, stehen aber auch in der Kritik, weil manchmal vermittelt wird, dass Wehen keine Schmerzen seien. Es wird dann von Wellen statt Wehen gesprochen. Manche Frauen sind dann doch überfordert, wenn sie Schmerzen haben. Aber die Frau, die ich erlebt habe, hat es ohne Schmerzmittel durchgezogen. Sie hatte gelernt, auf ihren Körper zu hören und wusste ziemlich genau, wie sie es wollte. Sie hatte Musik dabei, hat sich immer wieder selber zugesprochen, loszulassen und sie hatte eine Affirmationskarte dabei, auf der eine Rose abgebildet war. Eine Blüte, die sich öffnet, diente ihr als Symbol für das Lockerlassen.

Und die Frau, die Schwangerschafts-Yoga machte?
Die wurde von ihrem Partner im Rollstuhl in den Kreißsaal geschoben, hatte eine Kapuze und Kopfhörer auf. Sie wirkte total abwesend wie in ihrer eigenen Welt und wollte nicht gestört werden. Der Mann war quasi ihr Beschützer und sorgte dafür, dass sie in Ruhe gelassen wurde. Sie wandte bestimmte Atemübungen an, die den Schmerz reduzierten und hat auch echt super entspannt ihr Kind bekommen. Ich habe sie hinterher gefragt, was sie über die Kopfhörer hörte und sie meinte, es war einfach entspannte Gitarrenmusik.

Ich kann mir tatsächlich gut vorstellen, dass das gut funktioniert. Sehr spannend. Eine letzte Frage habe ich noch: Gibt es Fragen von Freund*innen, Bekannten oder deiner Familie, die dich mittlerweile nerven?
Bis jetzt noch nichts so richtig (lacht). Was ich allerdings witzig finde, ist, dass fremde Leute mir oft ihre Geburts-Stories erzählen, sobald sie erfahren, dass ich Hebamme bin. Es ist zwar ein tabuisiertes Thema, über das nur verschleiert gesprochen wird, doch Menschen freuen sich, mit Hebammen drüber sprechen zu können. Der Bedarf scheint also da zu sein.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE. 

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One Comment on “Interview mit einer Hebamme”

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