Warnung: Dieser Text enthält Schilderungen einer Panikattacke.

In meinen Teenagerjahren und auch etwas darüber hinaus litt ich immer mal wieder an Panikattacken, über die ich allerdings nie gesprochen habe.

Ich schämte mich für sie und für das Gefühl, deswegen schwach zu wirken oder sogar für krank gehalten zu werden. Erst später, als ich anfing, darüber zu sprechen, brach ich aus diesem Teufelskreis und zerschlug die Macht, die meine Panik damals noch über mich hatte. 

Aber wenn ich jemanden erklären müsste, der diese Ängste nicht kennt, wie ich mich in diesen Momenten fühlte: Ist das Bild des Teufelskreises schon recht gut. So sah ich meine Panik. Wie ein kleines fieses teufelsartiges Wesen, das auf meiner Schulter sitzt und lacht.

Es lacht über mich und darüber, was ich mache.

Nimmt mich nicht ernst und sagt mir das unverhohlen ins Gesicht.
Solange bis mein Glauben an mich schlussendlich bricht.

Dann lacht es nur noch lauter und schreit: Ich wusste doch, ich bin dein einziger Vertrauter!

Und so kommt die erste Welle auf mich zu. Ich muss hier weg, irgendwohin, wo ich allein sein kann, um nicht zu zeigen, was gerade mit mir geschieht, denn das ist ja tabu.

Nein, stopp, so geht es auch nicht weiter.

Konzentrier dich, atme langsamer und zweifel-befreiter.

Nett, dein kleiner Versuch, mich verstummen zu lassen, doch eigentlich weißt du doch, dass das nichts bringt, um von dir abzulassen.

Du spürst doch schon, wie alles um dich herum langsamer wird, auf dich zukommt und deinen Verstand verwirrt. Mein Atem wird immer schneller, das fiese Ding hatte doch recht, alles um mich herum wird bereits schon wieder greller.

Ein aus, ein aus.

Verdammt, wie komm ich nur hier raus?


Atme einfach immer weiter, immer weiter und immer tiefer.
Schüttel es einfach ab, dieses scheiß Geziefer.

Es kann dir nichts anhaben, komm sei noch ein bisschen stärker.
Doch die Zweifel, die geballt und mit all ihrer Kraft auf mich einstürzen und mich von allen Seiten bedrängen, sind schon bereits aus ihrem Kerker.

Wer wird es wohl sein, der gewinnt?

Frage ich mich und merke dabei schon, wie meine Kraft allmählich vor mir zerrinnt.

Meine Atmung nimmt wieder fahrt auf, wird so schnell wie Usain Bolt bei seinem 100m Staffellauf.
Ich sinke auf meine Knie langsam zu boden, mit meinen Händen auf der Brust und das kleine Wesen auf meiner Schulter ist vor Freude am toben und sich selber am loben.

Mein Herz rast unaufhörlich immer weiter, während meine Gedanken gänzlich verstummen, mein Körper immer heftiger zittert und endlich stiehlt er sich davon. Mein kleiner, heimtückischer Begleiter. Lässt mich einfach so zurück in all seinem angerichteten Unglück.

Und so liege ich wie ein kleines Stückchen Elend auf dem Parkett und fühle mich so ausgelaugt, als wäre nichts mehr von mir übrig, als mein bloßes Skelett.

Ja, ungefähr so fühlte es sich an. Wie die reinste Hölle ohne ein Entkommen.

Allerdings begriff ich irgendwann, dass es doch einen Weg hinaus gibt. Einen Weg, den ich mir selbst verwehrt hatte, in dem ich meine Panik mit meiner Angst vor der Angst selbst fütterte. Einen Kreis um mich herum zog und mich nicht traute, irgendjemanden hineinblicken zu lassen.

Heute weiß ich, wie viele Menschen dasselbe Gefühl kennen oder zumindest ein Ähnliches und so habe ich keine Angst mehr Angst zu bekommen. Denn es liegt nicht nur an mir oder daran, dass ich anders bin. Es sind einfach nur Zweifel, die jede:r irgendwann mal hat.

Und auch wenn mir mein treuer Wegbegleiter – hin und wieder mal – einen Besuch abstattet,
so weiß ich mittlerweile, dass er auch immer wieder gehen wird.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.
Illustration: Anahit

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