“Ich arbeite bei Satisfyer und verkaufe Spielzeug für Erwachsene”, erzählte mir eine Frau, die ich vor einigen Wochen in einer verrauchten Küche unter zugegebenermaßen viel zu vielen anderen Leuten kennenlernte. Ich weiß nicht, auf welchem Planeten ich die letzten Jahre verbracht habe, aber der Trend rund um den Satisfyer und Womanizer ist komplett an mir vorbei gezogen. Doch mir gefiel ihre Ausstrahlung und nachdem sie mir erklärte, was genau das Wunderwerk, welches sie verkauft, ist, kehrte ich am späten Abend mit einer Mission nach Hause zurück: den Zauberstab mit “Bester Orgasmus-Garantie oder Geld zurück” zu bestellen.

Meinen ersten Vibrator kaufte ich mit 17. Dafür schwänzte ich zwei Tage die Schule. Nicht, weil ich mit meinem neuen Teil spielen wollte, nein, ich war von Paranoia getrieben. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich lieber tot umgefallen, bevor meine Familie mitbekommt, dass ich masturbiere, geschweige denn einen Vibrator benutze. Das WOW-Erlebnis blieb jedoch aus, denn wirklich gegeben hat mir das Ganze nichts. Nach nur wenigen Tagen verlor ich dann auch das Ladegerät und somit war das Ende meiner Sexspielzeugkarriere für die nächsten acht Jahre eingeläutet … bis letzte Woche.

So saß ich dann in meiner Kuscheldecke auf dem Bett eingewickelt. “Mach dich bereit, dein Leben wird sich ändern”, las ich ungläubig in den Rezensionen. Wirklich ernst nehmen konnte ich diese Bewertungen nicht und so beschloss ich meinen gesamten weiblichen Freundeskreis vorab zu konsultieren. Ziemlich schnell realisierte ich, dass der Satisfyer die Gesellschaft mit Vagina in zwei Spalten teilt. Auf der einen Seite waren die Vertreterinnen folgender Meinung: “Mit nichts anderem kannst du so einen Orgasmus haben”. Dem gegenüber steht die Fraktion der Frauen, die meinen, der Lustspender sei einfach nur Schrott.

Ich entschloss mich, mir mein eigenes Bild zu machen und bestellte ihn. Anders als mit 17, fühlte ich mich diesmal richtig rebellisch und erwachsen. Eine diskrete, alternative Absenderadresse wie modeschmuck.de? Von wegen, ich bin ja jetzt eine emanzipierte Frau von Welt. Während der Zauberstab sich auf den Weg zu mir begab, machte ich mich an weitere Recherchen. Genau genommen in Pornhub. Die Filmchen, in denen das Toy zum Einsatz kam, waren natürlich alle mal sehr realistisch. Fünf mal innerhalb von weniger als vier Minuten zu squirten hat die Messlatte extrem weit unten für mich angelegt.

Dann war es endlich so weit. Nach nur zwei Tagen war das schmucke Teil da. Aufgeregt und mit einem selbstgefälligen Lächeln riss ich die Verpackung proletarisch auf. Da blickte er mir aus einer, wie ich finde sehr stilvollen Verpackung entgegen. Ich stellte mir noch eine kleine Playlist zusammen, die meines Ermessens nach perfekte Bumsmukke ist. Während es unter der Duschen heiß zu geht, möchte ich ja eher ungern von Rammstein gestört werden. Doch Rammstein bekam gar nicht ihre Chance. So schnell wie der Refrain vom ersten Lied erreicht war, ja, was soll ich sagen, so schnell war auch ich da. Verdutzt und irritiert stand ich nun da und blickte das Gerät in meiner Hand unglaubwürdig an. Ich denke die Rezession: “Stell es dir so vor: Ein Typ leckt dich, nur besser,” trifft das Erlebte mit dem Nagel auf den Kopf.

Lange Zeit dachte ich, dass mit mir etwas nicht stimmt, weil ich bei normalen Sex keinen Orgasmus bekomme. Bis ich vor einigen Jahren auf ein Buch gestoßen bin, das den Bildungsauftrag, den eigentlich unsere Schulen haben sollten, übernahm. Ganze 70 % aller Frauen kommen nur durch die Stimulation der Klitoris zum Orgasmus. Das wissen nicht nur zu wenig Frauen, sondern auch Männer. Ich finde es gut, dass es im Aspekt dessen ein Toy gibt, welches sich auf den klitoralen Höhepunkt fokussiert. Dennoch konnte ich meine Gefühle ihm gegenüber nicht so richtig einordnen. Versteht mich nicht falsch, der Satisfyer hält, was er verspricht, doch so schnell zu kommen lässt meine Seele irgendwie unbefriedigt zurück. Wenn ihr mich fragt, würde ich ihn euch dennoch empfehlen. Denn sowie jede Frau ist auch jede Klitoris anders und lesen kann man viel, ausprobieren müsst ihr selbst 😉

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE. 

BILD: TELMO SÁ CASTRO

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