„Ich hab was für dich“, sagt Michele (Name verfälscht). Er grinst, während er mir das rote Seil mit seiner rechten Hand entgegenhält, das er zuvor aus seinem Koffer geholt hat. Er steht da und schaut mich fragend an.

Wir kennen uns eigentlich gar nicht. Also doch irgendwie schon – denn immerhin wissen wir voneinander, wie wir nackt aussehen. Über mehrere Wochen hinweg schrieben wir uns Nachrichten hin und her und das wurde zum Teil auch schon ziemlich sexy. Sexting, Nacktselfies, aufheizende Videos und gemeinsame Orgasmen – und das 450 km voneinander entfernt.

Vor etwas mehr als zwei Jahren begegneten wir uns auf einer Afterhour in Berlin. Wie sich später herausstellte, stand er schon damals auf mich. Wir tauschten Instagram aus und kurze Zeit darauf machte er mir ein süßes Kompliment: „Du bist eine der schönsten Frauen, die ich jemals gesehen habe“. Der Spruch funktionierte, danach ging es los. Anfangs tauschten wir uns nur über unsere Tagesabläufe, Hobbys und Träume aus. Er schrieb Gedichte, als Autorin wurde ich da natürlich hellhörig.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als wir beschlossen hatten, dass er mich besuchen kommen wird. Damals saß ich im Zug, auf dem Weg nach Wuppertal, wohin ich für ein Praktikum zog. Ein paar Wochen später holte ich ihn zu einer unverschämt frühen Zeit am Bahnhof ab. Ironischerweise waren wir beide ziemlich schüchtern, als wir uns in unseren dicken Winterjacken entdeckten, und das, obwohl wir bereits die intimsten Gedanken miteinander ausgetauscht hatten und jeden Körperteil voneinander kannten.

Da wir beide kaum Schlaf abbekommen hatten, beschlossen wir, uns erst mal hinzulegen. Weder er noch ich wollte den ersten Schritt machen, daher blieb es beim Kuscheln. Am nächsten Tag entflammte das Feuer zwischen uns und wir liebten uns mehrmals hintereinander. Es war wirklich schön.

Am Abend trafen wir uns mit meinen Freunden, um auf eine Party in Köln zu gehen. Frisch geduscht und fertig geschminkt stand ich in meinem Zimmer, als er mir frech das Bondageseil hinhielt. Grundsätzlich bin ich ein offener Typ, doch seine Frage überraschte mich und für eine Sekunde fühlte es sich seltsam an. Ich meine, wer bringt so etwas zur ersten Verabredung mit? Ich hielt ihn mit einem „Hmm, ja vielleicht“ hin, in der Hoffnung, er würde sich damit zufriedengeben. Er akzeptierte meine Antwort und übte keinen Druck auf mich aus. Es gibt eben doch einen Unterschied zwischen Fantasie und Realität, für Letzteres ist es wichtig, dass sich Betroffene vertrauen und auf die Wünsche und Bedürfnisse des jeweils anderen eingehen – dabei kommt es vor allem auf eine offene Kommunikation an.

Japanisches Bondage, auch bekannt als Kinbaku oder Shibari, ist eine Jahrhunderte alte Form des BDSM. Ästhetik spielt bei dieser Fesseltechnik eine wichtige Rolle – und natürlich auch, dass du der Person, die dich verknotet, komplett ausgeliefert bist. Fesselspiele haben mich nie interessiert. Michele war der Erste, der mich darum bat, mich festbinden zu dürfen, davor hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Dabei kann ein nackter, verschnürter Körper schon schön aussehen, sowieso die Posen, in die er gezwungen wird. Die meisten Menschen, die an BDSM denken, es aber noch nie ausprobiert haben, haben das typische Klischee im Kopf: Lack, Leder und Schmerzen.

Nachdem wir uns den ganzen Abend mit Drogen vollgepumpt hatten, war ich zuhause so was von bereit für meine erste Bondageerfahrung! Im Schlafzimmer angekommen, fingen wir an, uns wild zu küssen und gegenseitig auszuziehen. Ich schaute ihn aufgeregt an, als er das Seil auspackte, und machte den Mund auf, um etwas zu sagen, aber er unterbrach mich, indem er mir ein Zeichen gab, dass ich still sein sollte. Er grinst, als er fordernd sagt „Knie dich hin“. Brav folgte ich seiner Anweisungen.

Er fing an, meine Hände hinter meinem Rücken zusammenzuknoten, und ging dabei ein paar Mal auf und ab, während er das Seil um mich herum wickelte. Ich merkte, wie viel Mühe er sich damit gab und aufpasste, mich nicht zu verletzen. Besonders verführerisch war es, dass wir uns dabei gegenseitig neckten und zusahen, wie der andere kämpfen musste, um nicht die Kontrolle zu verlieren.

Bondage
Foto: 2018

Als er mich fertig gefesselt hatte, fing er an, mich an den Knoten hochzuheben und legte mich aufs Bett. Er nahm meine Hände und band sie mit Fesseln an den Bettrahmen. Meine Nackenhaare stellten sich auf und ich konnte es kaum erwarten, was als Nächstes passiert. Mein ganzer Körper war erregt und noch bevor wir mit dem eigentlichen Akt begonnen hatten, machte er ein Foto von mir. Ich fühlte mich verdammt sexy, eingeschlungen in das rote Seil.

Ich besitze eine dominante Persönlichkeit, aus diesem Grund spielten wir es auch andersrum und tauschten die Rollen. Ich hätte nicht gedacht, dass er nach dem ersten Mal direkt noch mal wollte, aber als ich ihn ans Bett fesselte, mich vor ihn legte, ihm in die Augen schaute und es mir selbst besorgte, während er nicht in der Lage war, sich zu bewegen, bettelte er mich an, ihn loszumachen.

Es war nicht nötig, jeden Schritt im Kopf vorauszuplanen. Wir gaben uns einfach dem hin, was wir sowieso sind: Zwei Menschen, die sich wollen. Und jetzt, wo ich das Ganze runter geschrieben habe, frage ich mich, ob ich ihn jemals wiedersehen werde. Doch das Gefühl, dass ich jetzt habe, reicht aus, um es mir einfach vorzustellen.

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