Sonntagmittag, 12:00 Uhr. Grade aufgestanden trinke ich meinen ersten Kaffee.

„Wenn du auf einer WG-Feier niemanden kennst, suchst du dir dann ein entspanntes Plätzchen oder schmeißt du dich ins Getümmel?“ Frage ich Joshua aka Jodio. Ihm ist klar: „Ich geh auf jeden Fall rum und sich mir was Lustiges“ Vor einer weißen Wand in einem gestreiften Hemd sitzend sehe ich den 27-jährigen Kölner durch das kleine Viereck auf meinem Bildschirm. Wenn er nicht mit mir in einem Zoom-Interview sitzt, macht Joshua Soul. Schon seit seiner Kindheit sagt er.

DIEVERPEILTE: Du machst viel Musik. Was macht für dich eine:n gute:n Musiker:in aus?
Joshua: Ein guter Musiker muss auf jeden Fall das Genre treffen, das man hört. Er muss sein Instrument beherrschen und in seinen Texten muss etwas sein, was mich interessiert! Ich mag es, wenn Leben da drinsteckt.

Erfüllst du deine Ansprüche an gute Musik?
Ja, ich denke schon. Ich gebe mir auf jeden Fall die größte Mühe.

Worum geht es in deinem neusten Song „Piano Man“?
In dem Song verarbeite ich, wie ich mich fühle, wenn ich arbeiten muss und eigentlich nur Musik machen möchte. Arbeit übermüdet dich und macht dir vielleicht einfach keinen Spaß. Das tut die Musik dir nicht an. Ich will eigentlich nur Musik machen und keine blöden Nebenjobs haben.

Gibt es einen Tipp, inspiriert zu sein?
Einmal glaube ich Reflexion. Was mache ich, was machen die anderen. Das führt zu Inspiration. In sich reingucken, was ist da und wie kann ich da was Neues draus machen. Ich glaube, das ist meine Haupt-Inspirationsquelle.

Ist dann deine Musik auch eine Therapie für dich?
Ja, auf jeden Fall. Und auch für andere. Das schätze ich auch so an Musik. Ich bin definitiv durch sehr viel Musik therapiert worden und möchte das so auch weitergebe. Diese Sache möchte ich am Leben halten und zurückgeben, was ich da bekommen habe.

In deinem Lied „Who Cares“ erzählst du über das Gefühl, eingesperrt zu sein und wie du in der Schule Dynamit unterm Tisch hattest. Worum geht’s da genau? Und war das mit dem Dynamit nur eine Metapher?
Ja, das ist eine Metapher. In der Schule habe ich mich eingesperrt gefühlt. Ab der Oberstufe habe ich nicht mehr so richtig gesehen, dass die Schule mir was bringt für den Rest meines Lebens. Mit den meisten Lehrern war ich sehr uneinig. Später habe ich dann erkannt, was für ein Geschenk es ist, dass wir das machen dürfen. Das jemand sich einfach um dich kümmert. Dieses Gefühl damals und die die spätere Perspektive, wie frech meine Einstellung war. Das verarbeite ich in dem Song.

Bei mir diese Dynamit-Metapher am meisten hängen geblieben. Wenn die Leute deine Musik so selektiv hören, sagt dass dann mehr über Dich aus oder über deine Hörer:innen?
Das sagt was über Gemeinsamkeiten aus, was den Hörenden mit dem Künstler verbindet. Und alles was überhört wird, empfindet der Künstler nur für sich.

Verbindet deine Musik dich dann gleichzeitig intim und anonym mit deinen Hörer:innen?
Ja. Der Gedanke gefällt mir. Ich habe immer wieder in Musik gehört und hatte das Gefühl, das wären meine Seelenverwandten. Aber die konnten gar nicht wissen, dass ich irgendwie sitze und weine, weil ich so berührt von deren Musik bin. Die wussten gar nicht, wer sich grade so mit ihnen verbunden fühlt, wie so eine einseitige Beziehung.

Und wer waren diese Leute für dich? Und warum?
Am meisten Stevie Wonder, den habe ich das erste Mal bei meinen Eltern gehört. Wieso, angefangen damit, dass er Keyboard spielt. Er hatte raus, wie man das spielt … also so in richtig. Und natürlich textlich. Wie er zum Beispiel Beziehungen reflektiert und schöne Worte findet. Besonders für die kleinen Dinge und Momente.

Du sagst, du hast Stevie Wonder das erste Mal bei deinen Eltern gehört. Hat deine Familie dir die Musik mitgegeben?
Ja, auf jeden Fall. Mich und meinen Bruder haben sie da besonders geprägt. Stevie Wonder haben wir immer auf langen Auto-Fahrten gehört und meine erste Band war tatsächlich die von meinem Bruder. Zwischendurch hat sich das ein bisschen aus den Augen verloren, aber in meinem aktuellen Album hat meine Familie echt viel mitgewirkt. Und das hört man auch! Es ist sehr organisch. Wir passen da sehr gut zusammen.

Wenn du dich entscheiden müsstest, für wen würdest du dich entscheiden? Deine Musik oder Deine Familie?
Oha, das ist paradox. Aber ganz klar die Familie.

Lieblingsplattenläden?
Ich kaufe meine Platten auf Flohmärkten ein! Am liebsten alte Platten von Privatleuten, von deren Eltern oder so. Und nie über 2 Euro (lacht).

Deine Top 5 Lieblingsplatten?

01 Stevie Wonder – Innervisions (Tamla)

02 Parliament – Placebo Syndrome (Casablanca)

03 Herbie Hancock – Head Hunters (Columbia)

04 Prince – Lovesexy (Paisley Park)

05 D’Angelo – Black Messiah (RCA)

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

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