Ich persönlich würde mich eigentlich als einen sehr offenen und kommunikativen Menschen beschreiben. Ich muss nicht den Hauptredeanteil in Unterhaltungen mit Freund:innen haben, aber habe auch kein Problem damit, wenn es passiert.

Sobald ich aber vor vielen Menschen sprechen muss, sei es bei Vorträgen oder auch in Meetings, wenn auf einmal alle Augen auf mich gerichtet sind, werde ich unfassbar nervös. So nervös, dass ich innerhalb von 3 Sekunden feuerrot werde und mein Herz bis zum Hals schlägt.

Aus diesem Grund wusste ich auch nicht genau, wie ich auf die Nachricht meiner besten Freundin reagieren sollte. „frnzsk hat dir eine Story geschickt“ stand auf meinem Bildschirm. Die zweite Mitteilung lautete „mach das!“. Nun war ich aber gespannt, was ich machen soll. 

Als ich die Nachrichten öffnete, fing mein Herz schon an zu rasen. Sofia hatte in ihrer Story nach einem Ersatz für ihren Auftritt gesucht. Es war für den Talk „Techno, Berlin, Ecstasy – Gehört das zusammen?“ aus der Reihe „Was Sie schon immer mal über Drogen wissen wollten“. Ein Thema, welches immer noch stark stigmatisiert und tabuisiert wird, aber auch einfach super spannend ist. 

Außerdem wäre das eine Riesen-Chance, dachte ich mir, also schrieb ich ihr direkt. Sofia war begeistert, so schnell einen Ersatz gefunden zu haben und leitete meine Kontaktdaten gleich weiter. Nicht mal eine Stunde später bekam ich einen Anruf von dem Veranstalter und Moderator der Veranstaltung und sprach direkt alles mit ihm ab. Alles ging so unfassbar schnell.

Auf einmal stand alles fest. Ich werde an einer Paneldiskussion teilnehmen – damit startete meine Karussellfahrt durch alle möglichen Emotionen.

Ich bin ein sehr ängstlicher Mensch. Damit meine ich nicht mal zwangsläufig, dass ich Angst vor Spinnen, Dunkelheit oder einer großen Männergruppe habe (auch wenn das alles zutrifft), sondern eher, dass ich alles durchdenke. Ich mache mir schnell Sorgen, frage mich, wie ich aufgetreten bin und ob ich irgendwas Dummes gesagt habe. Darüber mache ich mir immer Gedanken, egal ob es nur eine Unterhaltung mit neuen Leuten ist, oder ein Referat in der Uni.

Kontraproduktiv, wenn man sich dazu entschlossen hat als Journalistin zu arbeiten. Kontraproduktiv ebenfalls, wenn man sich dazu entschlossen hat an einem Talk teilzunehmen und vor einem Publikum zu sprechen. Daher war die Woche vor dem Auftritt, die Hölle auf Erden für mich. Am stärksten hat die Aufregung meinen Schlaf beeinflusst. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Frühschläferin bin. Ich gehe gerne gegen 22 Uhr ins Bett und wache nicht vor 7.30 Uhr auf. 

In der besagten Woche war ich froh wenn ich überhaupt fünf Stunden durchschlafen konnte. Die restliche Zeit war ich damit beschäftigt, mir den Kopf über den anstehenden Talk zu zerbrechen. Was ist, wenn ich irgendwas dummes sage? Was ist, wenn ich auf Fragen nicht antworten kann. Was ist, wenn ich mich einfach komplett blamiere?

Um diesen Gedanken entgegen zu wirken, versuchte ich alles über das Thema herauszufinden. Ich habe wirklich viel Zeit und Kraft in die Recherche gesteckt, um so gut, wie möglich, abzuliefern. Allerdings kann man sich nie zu 100% auf solche Moment vorbereiten. Es ist schlichtweg nicht möglich, Kontrolle über alle Situationen zu haben. Das wusste ich auch, weswegen meine Angst und Aufregung mit der Zeit nur schlimmer wurden.

Am 24. September war es dann soweit. An diesem Tag konnte ich nur an den Auftritt denken. Meine Aufregung war so schlimm, dass mir den ganzen Tag schlecht war. Ich wusste ja noch nicht einmal, wie viele Menschen kommen werden. Klar, durch Corona gibt es eine Obergrenze. Aber wo wird diese liegen? 

In der Urania angekommen wurde ich von Dr. Jochen Müller, dem Moderator und Organisator, äußerst freundlich in Empfang genommen. Er wirkte ganz anders, als ich anfangs dachte. Sehr locker, offen und gar nicht streng. Zum Glück, dachte ich mir, denn das hätte meine Unsicherheit nur verstärkt. 

Er fing auch sofort an mir alles zu erklären. Es wurde allerdings noch keine formelle Atmosphäre geschaffen, sondern wir redeten ganz entspannt über die anstehende Diskussion. Was der Ablauf sein wird, worüber er reden möchte und ob ich denn noch Fragen hätte. Ich fühlte mich automatisch wohler und meine Nervosität ging ein bisschen zurück. Vor allem, weil ich mitbekam, dass auch er ein wenig nervös war. 

Um ehrlich zu sein, kann ich mich an die Diskussionsrunde nur lückenhaft erinnern. Ich weiß nicht, ob es das Adrenalin war, aber direkt danach hatte ich gefühlt alles wieder vergessen, was ich gesagt habe. Das Einzige, was ich noch wusste: es war eine heftige Erfahrung!

Heftig im positiven Sinne. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ernstgenommen zu werden. Auch, dass es die Leute interessiert, was ich zu sagen habe und dass es nicht darum geht, ein bestimmtes Bild zu vermitteln. Wir quatschten über die Risiken, wie einfach es ist, vor allem in Berlin, an Drogen zu kommen und letztendlich, ob Techno, Berlin und Ecstasy denn nun wirklich zusammengehören.

Ich hätte es vorher nicht gedacht, aber es kann ganz schön euphorisierend sein vor einem Publikum zu reden.

Ihr wollt genau wissen, worüber wir alles geredet haben? Dann hört euch doch den Mittschnitt als Podcast an!

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