Fühle mich in Rollen gedrängt.

Du nimmst mich an die Hand, führst mich durch dein Land, nur um kurz darauf meinen
Einreiseantrag abzulehnen. Nur Besucherrecht machst du mir durch die Blume klar.
Und ich nicke stumm, pass mich mir dir deinen Auflagen an, auch wenn ich anders will.

Ich komme und gehe, die Taschen voll mit Utensilien, die Besucher eben brauchen.
Du machst deine Dinge voller Tatendrang und wenn du fertig bist, rufst du mich an.

Ich kann.

Ich komme und gehe, pass mich mir dir deinem Zeitplan an.
Immer auf deine Einreisebestätigung am Warten, doch du rufst nicht an.

Machst immer noch deine Dinge voller Tatendrang.
Von denen du entscheidest, bei welchen ich zu der Personenanzahl gehöre oder eben auch nicht.
Du gibst vor, ich ziehe mit.

Doch mit einem Mal wird mir der Strick zu straff, die Leine zu kurz und ich bekomme kaum noch Luft. Bleibe stehen, bis die Leine reißt, du drehst dich verwundert um und fragst ganz unverblümt, „Darf ich das jetzt etwa nicht mehr?“. Nein, sage ich und bleibe gerade stehen.

Ich fühle mich in Rollen gedrängt, bin schon zu angepasst, um überhaupt noch passen zu können.
Deine Auflagen passen mir nicht mehr, bin zu groß um weiterhin klein zu sein.

Und so starrten wir uns an, seit Langem wieder mal auf Augenhöhe und dann war es auf einmal ganz
klar.

Wir wussten beide, dass wir nicht länger passend waren. Unser kleines Rollenspiel war in seinem letzten Akt angelangt. Und ich glaube, es spricht für sich, dass ich alleine in meiner Verbeugung war, als der Vorhang fiel und wir die Bühne verließen.

Collage © tarantrullart

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