Vor fast auf den Tag genau 60 Jahren kam die Antibabypille erstmals in Deutschland auf den Markt. Am 1. Juni 1961 wurden die kleinen Pillchen als Instrument der Freiheit verstanden – sowohl der sexuellen als auch der reproduktiven. Aber auch bei der Antibabypille gibt es zwei Seiten der Medaille. Stimmungsschwankungen, Libidoverlust und Kopfschmerzen sind nur ein paar von den vielen Nebenwirkungen, die auf den Beipackzettel gedruckt sind. Auch das Thromboserisiko hat sich durch die neuen Pillen-Generationen in den letzten Jahrzehnten erhöht. Trotzdem bleibt die kleine Tablette das meist verwendete Verhütungsmittel – auch, wenn sie nur von Menschen mit Uterus eingenommen werden kann. Ich nahm den Geburtstag zum Anlass, um mit meinem Freund Felix P. (24) über seine Erfahrungen mit Verhütungsmitteln als Mann und seine Wunschalternative zu sprechen.

DIEVERPEILTE: Wann musstest du dich das erste Mal mit dem Thema Verhütungsmittel auseinandersetzen?
Felix P.: Das war vermutlich in der Schule, wie bei den meisten. Für den Ethik-Unterricht musste ich ein Referat über ein bestimmtes Verhütungsmittel ausarbeiten. Ich weiß allerdings nicht mehr, welches es war (lacht). 

Was für Verhütungsmittel hast du bisher genutzt?
Falls es um meine Berührungspunkte generell geht: Meine Freundinnen haben entweder die Pille genommen und / oder sich die Hormonspirale einsetzen lassen. Dadurch habe ich mitbekommen, was beispielsweise die Pille alles verändern und anrichten kann. Für mich persönlich gab es allerdings nur die Option Kondom.

Bist du zufrieden mit den Möglichkeite(n), die du als Mann hast?
Schwierig zu beantworten, weil ich meine potenziellen Alternativen nicht kenne – da diese nicht existieren. Aber an sich bin ich zufrieden mit dem Kondom. 

Was hältst du davon, dass es keine weiteren Alternativen für dich gibt?
Das finde ich ganz schön schräg. Ich meine: Es gibt viele Alternativen für Frauen und das, obwohl diese Möglichkeiten teilweise auch nicht das Gelbe vom Ei sind, warum also nicht für Männer?

Es wird derzeit an Optionen wie einen Verhütungsgel oder auch einer Hormonspritze geforscht. Würdest du die Alternativen nutzen, wenn es diese Produkte auf dem Markt gäbe?
Das lässt sich jetzt zwar einfach sagen, aber tendenziell ja! Immerhin möchte ich auch verhüten.

Stell dir vor, du könntest dir frei nach deinen Wünschen ein Verhütungsmittel erstellen. Wie würde das funktionieren?
Ein Verhütungsmittel, was 99,9 Prozent Sicherheit gewährleistet und keine Nebenwirkungen hat. Dazu sollte es im besten Fall noch die Übertragung sexueller Krankheiten verhindern … Weißt du, was witzig ist? Dass das in der Quintessenz das Kondom ist (lacht). Das ist nur etwas unsicherer.

Die Kürze des Interviews zeigt auf, dass wir über keine alternativen Verhütungsmöglichkeiten sprechen können – weil es keine gibt. Während ich einen Monolog über die Pille, die Spirale und die Problematiken mit hormoneller Verhütung halten könnte, war es für Felix schwer irgendetwas dazu zu sagen. 60 Jahre ist die Antibabypille auf dem deutschen Markt und es scheint, als wäre Verhütung weiterhin eine Sache, um die sich nur Menschen mit Uterus zu kümmern haben.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

Bild: Jens Peters

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