Ich mag viele Dinge: Sekt, Zigaretten, gute Musik – aber richtiges Herzklopfen bekomm ich nur bei einer Sache, dem Schreiben. Ja, ich liebe Wörter. Ich liebe, wie sie Menschen berühren können und zu Veränderungen drängen. Verliebt habe ich mich in schlaue Wörter und Geschichten mit sechs Jahren. Alle meine Geschwister und Cousins hatten bereits ein Hobby, nur ich wusste nicht so recht, was ich mit mir anfangen soll. Es war mein Opa, der mich bei der Hand nahm und auf den großen Dachboden genommen hat. Noch heute kann ich mich an den Geruch und das knarrende Holz erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dort oben hat er mir ein Geschenk gemacht. Ein Geschenk, für das ich immer dankbar sein werde. Er hat mich all den großen literarischen Werken unserer Welt vorgestellt. Die Klassiker “Vom Winde verweht” und “der Alchimist” habe ich inhaliert, als könnte ich ohne sie nicht atmen und wie eine Süchtige habe ich von diesem Zeitpunkt an nie aufgehört zu lesen.

Sie waren einfach immer da. Die schönen Geschichten, die mich lehrten und mich fühlen ließen. Viele Jahre und etliche Bücher später habe ich dann angefangen, meine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen. Immer begleitet von meinem Credo und Mantra: Loka Samastha Sukhino Bhavanthu. Mögen alle Wesen auf dieser Erde glücklich und frei sein und mögen die Gedanken, Worte und Taten meines eigenen Lebens in irgendeiner Weise zu diesem Glück und zu dieser Freiheit für alle beitragen. Ich habe mir selbst ein Versprechen gemacht und es mir auf meine Schultern geschrieben, mit allen Texten, die ich schreibe, jemandem zu helfen. Denn Worte können heilen. Das Leben versüßen. Auf Dinge aufmerksam machen, die in die falsche Richtung laufen. Sie können Hoffnung in ein verlassenes Herz bringen. Sie können ein Ort der Zuflucht für die Gebrochenen sein und eine Motivation für diejenigen, die Zuversicht brauchen. Sie können Berge des Vertrauens errichten und Treppen zu den Träumen bauen, die sich über den Wolken verstecken. Sie können Glück in die Seelen bringen, die es am meisten brauchen.

Doch ich bin auch selbstsüchtig. Ich schreibe, weil es mich stark macht. Oft fehlt mir der Mut, Dinge laut auszusprechen und wie ein kleines Kind, das sich hinter einem Elternteil versteckt, verstecke ich mich hinter meinen geschriebenen Worten. Dann werde ich plötzlich mutig und kann alles sagen, wofür mir sonst die Worte fehlen. Ich schreibe, um Struktur in mein inneres Chaos zu bringen. Oft ist es zu laut in meinem Kopf und ich fühle mich, als würde ich in meinen Gefühlen ertrinken. Wie ein Kind, das in eine tosende Strömung hineinfällt und Richtung Abgrund treibt. Wenn ich schreibe, wird es ruhiger, ja fast so, als würde ich im Auge eines Wirbelsturms stehen. Solange ich schreibe, ist es ruhig, ich kann klarsehen. Solange ich schreibe, lebe ich.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE.

FOTO: Sofia

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