Neulich sagte sie,
sie hat keine Zeit,
ein Lächeln sei zu viel,
sie tue schon genug.

Ich sagte dann,
da liegst du falsch, ich meine,
du hast es nie probiert,
und ein Lächeln ist niemals
zu viel.

Jetzt mal ehrlich,
wie kann ein Lächeln zu viel sein,
wenn es um Menschen geht,
wie du,
mit Gefühlen,
die einfach ein bisschen
Pech im Leben hatten?

Sie sagte, sie will das nicht,
da stecken Banden dahinter,
die nehmen alles an sich,
und Angst hat sie,
dass ihre Güte ausgenutzt wird.

Ich dann so: „Aber ein Lächeln, das geht
doch trotzdem.“
Immerhin kann das viel bewirken,
gute Laune zum Beispiel,
die zu etwas Größerem bewegt.
Oder: „Hey du, ja, ich sehe dich,
du bist nicht unsichtbar,
ich hab zwar gerade kein Kleingeld,
aber ich wünsch dir einen schönen Tag.“

Sie dann wieder: „Also ich mache
wirklich schon genug und
außerdem unterstütze ich
schon so lange,
ich habe mit so vielen Menschen
gesprochen,
man muss jetzt auch nicht jedem helfen“.

Also gut … Ich habs verstanden.
Eigentlich aber nicht,
das macht nichts,
denn man muss nicht jeden verstehen.

Und neulich antwortete er mir
mit einem Lächeln
übers ganze Gesicht verteilt,
das mir verrät:
Ich sehe dich, danke, dass du mich
auch siehst.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE. 

BILD: ANNKATHRIN WESP

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